Weltbevölkerung

Wernadskij und physikalische Wirtschaft

Ich habe nicht vorgeschlagen das Geld abzuschaffen, und habe das auch nicht vor; aber, wie ich schon oft gesagt habe, Geld ist ein Idiot, der mit sich selbst nichts anzufangen weiß. Auf sich gestellt hat es einen unheimlichen Hang dazu, sich den falschen Ort zu suchen und das Falsche zu tun. Was ich allerdings vorschlage, ist das, was die US-Bundesverfassung eigentlich vorschreibt: allen Quellen, außer der Regierung selbst, die Befugnis, Geld zu „schaffen“ (zu äußern), zu entziehen und statt dessen die Regierung dafür verantwortlich zu machen, wie sie Geldausgabe und Geldumlauf in der Gesellschaft regelt. Das bedeutet die Rückkehr zu dem, was früher als „Amerikanisches System der politischen Ökonomie“ im Sinne Alexander Hamiltons bekannt war, des ersten US-Finanzministers und damals engsten Mitarbeiters von Präsident George Washington – der Alexander Hamilton, der auch ein Verbündeter und Gleichgesinnter von Präsident Franklin Roosevelts Urahn Isaac Roosevelt war.((Die Datierung der Beschreibung dieses Aspekts des Verhältnisses zwischen dem Präsidenten und Hamilton ist der Dezember 1791, die Periode, die mit dem Datum von Hamiltons Bericht Über das Manufakturwesen an den US-Kongress zusammenfällt. Wie ich in früheren Veröffentlichungen betont habe, waren mit Benjamin Franklins Tod und der aus London inszenierten Französischen Revolution viele unserer Freunde in Europa, wie etwa der Marquis de Lafayette, aus ihren früheren, einflussreichen Stellen entfernt worden, und Europa geriet weitgehend unter den beherrschenden Einfluss der Todfeinde unserer Republik – im wesentlichen Lafayettes Feinde bei den Habsburgern, in London und im Frankreich des Jakobinerterrors und von Napoleon Bonaparte. Das blieb, mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen, der allgemeine Zustand des Verhältnisses der Vereinigten Staaten zu Europa bis zum Sieg der US-Regierung Lincolns über die von London gesteuerte Südstaatenkonföderation und ihr Marionettenregime unter Maximilian in Mexiko. In den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts geriet das unter Franklins Führung mühsam geschaffene feste Bündnis führender US-Amerikaner in Verwirrung durch den zunehmenden Einfluss von Splittergruppen, die auf der Suche nach nützlichen Einflüssen für die Vereinigten Staaten in Europa entweder zu Frankreich oder London neigten. So kam es mit der verwirrten Regierung von Präsident John Adams, die von feindlichen Agenten wie Sir John Robison vom britischen Außenamt manipuliert wurde, zur Auflösung der Föderalistischen Partei, und Jefferson und Madison machten es nicht besser als Adams, als sie wenig später ihre eigene Demokratisch-Republikanische Partei zugrunderichteten. Als sich damals diese Zustände anbahnten, war Hamiltons enge Zusammenarbeit mit Präsident Washington entscheidend für das Überleben der jungen Vereinigten Staaten in jener Zeit. Entgegengesetzte Auffassungen dieses Teils der Geschichte der USA – wie etwa das verantwortungslose Wunschdenken, Präsident Andrew Jackson, ein Mann der New Yorker Banken, sei der Retter des Volkes gewesen – sind im wesentlichen Märchen, die zur weltanschaulichen Beschwichtigung dieser oder jener politischen Partei oder Fraktion erfunden wurden.))

Es ist nun die Zeit gekommen, dass das vorhandene, weltweite monetär-finanzielle System nicht nur bankrott, sondern hoffnungslos bankrott ist. Für den, der wirklich versteht, wie die moderne Welt auch unter diesen Bedingungen des allgemeinen Bankrotts läuft oder wenigstens laufen könnte, ist das an und für sich noch kein Grund zu allzu großer Sorge. Wirklich Grund zur Sorge hat der Regierungschef, der im wesentlichen weiß, was zu tun ist, der denkt: „Falls man nicht diese Maßnahme ergreift, wie ich es vorschlage, werden die Folgen dieser Unterlassung für den ganzen Planeten katastrophal sein“, aber kaum hat diesen Gedanken gedacht, leugnet er ihn gleich darauf wieder – so wie es Hamlet in seinem Monolog im 3. Akt tut.

Eine Gruppe verantwortlicher Regierungen wird – sofern sie handeln, solange mein Vorschlag noch durchführbar ist –, einfach das ganze weltweite monetär-finanzielle System, das man auch als IWF-System kennt, einem Konkursverfahren unter Regierungsaufsicht unterziehen und ein neues weltweites, monetär-finanzielles System bereitstellen, das zunächst im wesentlichen dem Vorbild des ursprünglichen Bretton-Woods-Systems aus dem Jahr 1944 folgt. Sofern sie klug sind, würden solche Regierungen die bankrotten Zentralbanken und verwandten Einrichtungen geschickt dahin lotsen, dass sie eine Art Mündel der jeweiligen Regierung werden. Der beschlossene Plan wäre die Schaffung eines staatlich gelenkten Kredit- und Geldsystems, das dazu angelegt ist, zu verhindern, dass irgendeine monetär-finanzielle Krise einen allgemeinen Zusammenbruch der Realwirtschaft der Nationen oder einen Zusammenbruch der wesentlichen Mechanismen des Weltgüterhandels verursachen kann.

Es gibt zahlreiche besondere Gründe – mit anderen Worten naheliegende Einflüsse –, warum die jetzige globale monetär-finanzielle Krise auf diese Weise über uns hereingebrochen ist, und in dem Zeitraum, in dem dies geschah. Aber Ursachen und Gegenmittel sind oft asymmetrisch, so auch jetzt. Der tieferliegende Grund für die Krise ist die Wahl des falschen Wertesystems, unter dem das weltweite, monetär-finanzielle System seit etwa vier Jahrzehnten arbeitet. Dieses Wertesystem verleitete Regierungen und andere betreffende Einrichtungen dazu, die falschen Maßstäbe, die falschen Formeln zur Steuerung anzulegen. Die Regierungen neigten dazu, auf Statistiken zu reagieren, oft sogar auf solche aufgrund von Wunschdenken geschönte, die Hinweise geben, die entweder nicht relevant für die wirklich benötigten realen Entwicklungen und Verhältnisse waren oder diesen sogar unmittelbar widersprachen.

Zum Beispiel gibt es den Fall, wie jetzt in den USA, dass man eine „Erholung“ für die US-Wirtschaft meldet, während in Wirklichkeit der allgemeine physische Zusammenbruch der Realwirtschaft wieder einen Schritt weiter ging – wenn etwa monetär-finanzielle Daten, die tatsächlich eine Zunahme der unbezahlbaren Verschuldung widerspiegeln, in törichter Schönfärberei als Anstieg der für Ausgaben verfügbaren Gelder dargestellt werden. Oder die Volkswirtschaft wird durch die Schließung des Restes an Produktion zusammengeschrumpft, von dem eine stabile Leistungsbilanz in einer schon nicht mehr kostendeckend arbeitenden Volkswirtschaft abhängt. Man feiert letzteres dann vielleicht noch als vermeintliche „Sparmaßnahme“ zum Nutzen der künftigen Zahlungsbilanz des Landes – aber eben nicht der Realwirtschaft.

Deshalb wäre es töricht zu versuchen, der Volkswirtschaft mit den falschen Methoden eine Rückkehr zu einem reibungslosen Ablauf zu ermöglichen, wenn gerade diese Methoden schuld daran waren, dass diese Volkswirtschaft über die letzten Jahrzehnte nicht erfolgreich war. Oft ist es gerade dieses vermeintlich „traditionelle“ System, diese Art von Politik, das törichte Regierungen und andere verkünden verfeinern zu wollen, dessen Fortsetzung als wirtschaftspolitisches System, in egal welcher Form, aber mit Sicherheit, und zwar schon bald, zum allgemeinen Zusammenbruch führen würde. In dieser Lage wäre die einzig machbare Lösung, dass wir dieses Modell aufgeben und uns für ein neues Wertesystem entscheiden, das die Arbeit der Volkswirtschaft lenkt. Das System, das wir heute brauchen, hätte keinen der Präzedenzfälle der letzten Jahrzehnte zum Vorbild, sondern wäre weitgehend eine Rückkehr zu der relativ erfolgreichen Politik, die im westlichen Kontinentaleuropa, Japan und den USA unter dem ursprünglichen Bretton-Woods-System vor 40 Jahren oder früher funktionierte.

Mount Washington Hotel
Hotel „Mount Washington“ in New Hampshire, wo nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Bretton-Woods-Konferenz 1944 eine neue Weltfinanzordnung von 44 Ländern beschlossen wurde. Foto: Wikipedia/Sven Klippel

Da die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft mit dem 1944 durch Präsident Franklin Roosevelts Leitung eingeführten Bretton-Woods-System erfolgreich waren, aber schlecht liefen, seitdem dieses System untergraben und dann zwischen 1964 und 1982 abgeschafft wurde, würde eine vernünftige amtierende US-Regierung durchweg alle protektionistischen und verwandten regulierenden Maßnahmen, die in den letzten knapp vier Jahrzehnten abgeschafft wurden, umgehend wieder einführen. Dieses plötzliche Umdenken hinsichtlich der Politik, die seit 1971 bei Gesetzesbeschlüssen und anderen Vereinbarungen vorherrschte, wäre dadurch motiviert, dass man den entsprechenden Gesetzgebern und anderen immer noch nicht Überzeugten klar vor Augen führt, welche Schrecknisse durch ihre Sturheit über das Land hereinbrächen, falls sie sich den dringend notwendigen Reformen erfolgreich widersetzten.

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