Im letzten Kapitel haben wir aufgezeigt, dass die sogenannte „wissenschaftliche Studie“ des Club of Rome Die Grenzen des Wachstums ein Schwindel ist. Die benutzten Rohstoffstatistiken waren vielfach völlig ungenau und die Computerberechnung ging von der erstaunlichen Annahme aus, dass jeglicher technische Fortschritt mindestens 30 Jahre lang abrupt und vollständig zum Stillstand kommen würde. Die Autoren sowie eine ganze Reihe ihrer einflussreichen Schirmherren wussten, dass Die Grenzen des Wachstums ein Schwindel war. Dennoch stützten der Club of Rome und die meisten führenden „Neumalthusianer“ in den 70er Jahren ihre Kampagnen fast ausschließlich auf dessen Schlussfolgerungen.

Was war ihr wirkliches Motiv dafür, eine malthusianische Lehre zu verbreiten, an die nicht einmal sie selbst glaubten?

Für Thomas Robert Malthus (1766–1820) richtete die Ostindiengesellschaft eigens einen Lehrstuhl für Volkswirtschaft am firmeneigenen Haileybury-College ein. Mit seinem Traktat Essay on the Principles of Population lieferte er das propagandistische Mittel, die Politik der Ostindiengesellschaft, Sklaven- und Opiumhandel, zu rechtfertigen.

Der Verfasser und seine Mitarbeiter führen seit über einem Jahrzehnt gründliche Recherchen über die Verantwortlichen hinter den internationalen „neumalthusianischen“ Projekten und Bewegungen durch. Sie hatten die Gelegenheit, Mitbegründer und heute führende Repräsentanten des Club of Rome und der ihm nahestehenden Organisationen persönlich kennenzulernen und von ihnen selbst die wahren Motive ihres neumalthusianischen Schwindels zu erfahren.

Da ist zum Beispiel der Fall Dr. Alexander King, ein britischer Staatsbürger, der in Paris lebt und früher Direktor der NATO-nahen OECD war. King war hinter der Bühne führend am Aufbau des Club of Rome beteiligt. In einem publizierten Interview gestand Dr. King von sich aus ein, dass sein wahres Motiv für die Propagierung des Neumalthusianismus offener Rassismus ist. Er beklagte, dass die „angelsächsische Rasse“ auf diesem Planeten in bedrohlichem Maße abnehme und deshalb mit Hilfe neumalthusianischer Programme die dunkelhäutigeren „Rassen“ zurückgedrängt werden müssten. Zu diesen rechnete Alexander King ganz entschieden auch die „mediterrane Rasse“, worunter man normalerweise Araber, Türken, Griechen, Italiener und Spanier versteht.

Ein weiteres Beispiel ist Lord Solly Zuckerman, eine Brite südafrikanischer Abstammung. Dieser hochrangige britische Regierungsbeamte, der prahlt, er sei für die Gründung des Club of Rome noch wichtiger gewesen als Dr. King, leitet eine malthusianische Institution britisch-sowjetischer Prägung, das Internationale Institut  für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien. Das IIASA wurde mit Unterstützung des Amerikaners McGeorge Bundy – den der Harvard-Professor John Kenneth Galbraith als den „Kopf des (amerikanischen) Establishments“ bezeichnet – gegründet. Die Anschauungen Zuckermans lassen sich ruhigen Gewissens als die eines Wilden bezeichnen, und seine Macht ist ziemlich weitreichend.

Was die amerikanischen Schirmherren neumalthusianischer Projekte betrifft, haben wir als erstes den Fall von General William Draper, der mit der New Yorker Investmentbank Dillon & Read zusammenhängt. Dieser Draper war 1932 maßgeblich an einer Sitzung des Kuratoriums des Amerikanischen Museums für Naturgeschichte (American Museum for Natural History) in New York beteiligt. Die Versammelten begrüßten Adolf Hitlers bevorstehende Machtergreifung in Deutschland, wobei Draper ein besonderes Loblied auf die Nazi-Doktrin von der „Rassenhygiene“ anstimmte. Der von ihm begründete „Draper Fund“ steht heute hinter dem Population Crisis Committee und tritt unmissverständlich für eine brutale Bevölkerungsreduzierung der afrikanischen und anderer Völker ein, die die angelsächsischen Rassenfanatiker als „minderwertige Rassen“ betrachten.

Draper ist in den Kreisen, die dem Amerikanischen Museum für Naturgeschichte nahestehen, kein Einzelfall. Diese Institution war im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts gegründet worden, um die Lehren von Charles Darwin und Thomas Huxley zu verbreiten, welche diese Kreise immer so verstanden hatten, wie sie gemeint waren: dass die nicht-angelsächsischen „Rassen“ vermindert werden müssten. Im 20. Jahrhundert spielen die berühmten Familien Morgan und Harriman eine führende Rolle in dem Amerikanischen Museum. Seit dem Ersten Weltkrieg propagiert die Familie Harriman in den Vereinigten Staaten unter dem Deckmantel der Genetik rassistische Lehren, die den Nazis in nichts nachstanden. Es ist keineswegs erstaunlich, dass diese Familien großen Anteil daran hatten, Adolf Hitler an die Macht zu bringen, und ihre Zufriedenheit mit Hitlers Rassenlehre nicht verhehlten. Diese Familien, allen voran die Harrimans, setzten in den zwanziger Jahren in den Vereinigten Staaten Gesetze durch, die für die Einwanderung „dunkelhäutiger Rassen wie der mediterranen“ in die USA Jahreshöchstquoten festsetzten.

Ende der 30er Jahre wurde in den USA die Forderung laut, die Beschränkungen der Einwanderungsquoten für die von Hitler verfolgten europäischen Juden wieder aufzuheben. Die Harrimans setzten mit Erfolg alle Hebel in Bewegung, um diese Sonderregelung zu verhindern. Ein Schiff mit jüdischen Flüchtlingen wurde von den Vereinigten Staaten zurückgewiesen; für viele dieser von Harrimans Rassismus zurückgestoßenen Menschen bedeutete das den Tod. Millionen europäischer Juden hätten vor Hitlers Rassenwahn gerettet werden können, wenn die Vereinigten Staaten hier vorangegangen wären! Die Harrimans – insbesondere der ehemalige Gouverneur des Bundesstaates New York, W. Averell Harriman – waren seit Ende der zwanziger Jahre bis etwa 1938 fanatische Anhänger Benito Mussolinis, und ein großer Teil der Morgans unterstützte Hitler ebenfalls bis zu diesem Zeitpunkt. Erst nach 1938 wurde Winston Churchill und anderen klar, dass das von anglo-amerikanischen und Schweizer Kreisen geschaffene Nazi-Reich Adolf Hitlers ihrer Kontrolle entglitten war.

Die Kreise des Amerikanischen Museums für Naturgeschichte hatten führenden Anteil daran, den Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten eine neumalthusianische Politik aufzuzwingen.

Averell Harriman.

Statt diese erbärmlichen Gesellen hier zu Wort kommen zu lassen, wollen wir ihre Geständnisse an dieser Stelle beiseite lassen. Statt weiter charakteristische Persönlichkeiten unter die Lupe zu nehmen, die für die Verbreitung des heutigen Neumalthusianismus verantwortlich sind, wollen wir unsere Aufmerksamkeit nun der Gesellschaftsschicht zuwenden, die sie repräsentieren. Wir werden folgende Frage stellen und beantworten: Welche Weltanschauung veranlasst diese Gesellschaftsschicht, zu propagandistischen Zwecken eine Lehre in die Welt zu setzen, die zugegebenermaßen wissenschaftlich unhaltbar ist?

Beginnen wir mit dem Pastor Thomas Malthus selbst. Wer und was verbarg sich hinter seiner Schrift von 1798, Essay on the Principle of Population? Dieselbe Schicht wohlhabender Familien, die damals hinter Malthus stand, schürt auch die neumalthusianischen Bewegungen heute.

Im Jahr 1751 verfasste und veröffentlichte der Führer der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, Dr. Benjamin Franklin, eine Streitschrift, Observations Concerning the Increase of Mankind, in der er sich auf der Grundlage wirtschaftlicher Grundsätze für ein rasches Bevölkerungswachstum in Nordamerika einsetzte. Ein Freund Franklins, Gianbattista Beccaria, übersetzte diese Schrift ins Italienische und ließ sie in Italien veröffentlichen. Als Reaktion darauf schrieb der venezianische Mönch Giammaria Ortes, ein Sprecher mächtiger venezianischer Bankiers, den Versuch einer Widerlegung.

Die moderne Wirtschaftswissenschaft im eigentlichen Sinne wurde von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) entwickelt, angefangen mit seiner kurzen Schrift Societät und Wirtschaft. Benjamin Franklin (1706–1790) griff Leibniz‘ Ideen auf und verwirklichte sie in der amerikanischen Revolution.

Berichte von Ortes‘ Angriffe auf Franklin gelangten nach Großbritannien, wo einige Zeit später ein aufstrebender junger Absolvent der Divinity School der Universität Oxford namens Thomas Malthus ein Plagiat von Ortes‘ Schrift unter seinem eigenen Namen veröffentlichte: An Essay on the Principle of Population. Zu jener Zeit diente Malthus dem britischen Premierminister William Pitt dem Jüngeren, der 1798 Malthus‘ berühmt-berüchtigtes Werk veröffentlichen ließ. Wie Pitt im britischen Parlament erklärte, diente ihm Malthus‘ Schrift als Vorwand für die Beschneidung des britischen Armenrechts im Jahr 1800, womit Britannien die Finanzierung seiner „nutzlosen Esser“ einstellte.

Das war der Ursprung des Begriffs „Malthusianismus“.

Zu Ehren dieser Verdienste richtete die britische Ostindiengesellschaft am firmeneigenen Haileybury College, wo sie ihre leitenden Agenten ausbildete, für Malthus die erste Professur für Volkswirtschaftslehre in Britannien ein. Alle namhaften britischen Volkswirtschaftler – mit Ausnahme des Sonderfalls Karl Marx – von Adam Smith und Jeremy Bentham bis John Stuart Mill standen wie Malthus im Dienst der Ostindiengesellschaft. Die meisten von ihnen, wie Bentham, Malthus, David Ricardo, James Mill und sein Sohn John Stuart Mill, hatten am Haileybury College eine Professur inne.

Aus Gründen, die wir im folgenden dokumentieren werden, ist es unverzichtbar, diese Verflechtungen zwischen der britischen Politischen Ökonomie, dem Malthusianismus, dem afrikanischen Sklavenhandel und dem chinesischen Opiumhandel zu ermitteln, um den erneuten Ausbruch des Malthusianismus im 19. und 20. Jahrhundert zu verstehen. Um den Einfluss des Malthusianismus auf dem europäischen Kontinent richtig einzuschätzen, ist es außerdem unverzichtbar, die engen Beziehungen zwischen den Hintermännern des Venezianers Giammaria Ortes und der britischen Ostindiengesellschaft zu durchleuchten.

Britische Politische Ökonomie

Im Tudor-England war aufgrund des erasmischen Einflusses die Politische Ökonomie einstmals relativ weit fortgeschritten und hielt sich bis zur Zeit Thomas Greshams lebendig. Zumindest im europäischen Vergleichsmaßstab war es eine lebensfähige und kompetente Wirtschaftswissenschaft. Doch mit der Krönung von James VI. von Schottland zum englischen König im Jahre 1603 wurde dieser Entwicklung ein jähes Ende bereitet, und in Britannien zog die Inkompetenz ein. Mehr als 50 Jahre, bevor in Britannien eine systematische Lehre der Politischen Ökonomie entstand, hatte die Theorie und Praxis der modernen Volkswirtschaftslehre in führenden Institutionen Frankreichs, Italiens, Deutschlands und Russlands einen hohen Stand erreicht.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die moderne Volkswirtschaftslehre auf dem europäischen Kontinent im wesentlichen unter dem Begriff des „Kameralismus“ gelehrt. Der Kameralismus basierte auf den Ideen der Pioniere der Wirtschaftswissenschaften im 15. Jahrhundert, wie Georgios Gemistos (Plethon) und Leonardo da Vinci, was auch für die führenden Arbeiten auf diesem Gebiet im Tudor-England galt. Die Prinzipien der Staatsführung, die der französische Politikwissenschaftler Jean Bodin in seinen Sechs Büchern vom Gemeinwohl dargelegt hatte, waren beispielhaft für die Richtung, in die sich die volkswirtschaftlichen Entscheidungsprozesse der bedeutenden Gruppe der Politiques in Frankreich und der republikanischen Commonwealth-Fraktion in Britannien bewegten. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts kam der auf den Ideen von Tommaso Campanella begründeten neapolitanischen Schule eine maßgebliche Bedeutung zu. All diese Strömungen mündeten in die Wirtschafts- und Staatspolitik der Politiques im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Richelieu, Mazarin und der berühmte Nachfolger Mazarins, Jean-Baptiste Colbert, zählen zu den bekanntesten Vertretern dieser Richtung. Die moderne Wirtschaftswissenschaft im eigentlichen Sinne wurde von Gottfried Wilhelm Leibniz entwickelt, angefangen mit seiner kurzen Schrift Societät und Wirtschaft (1671).

Die wirtschaftliche Entwicklung in Russland Anfang des 18. Jahrhunderts, in deren Verlauf der Stand des Bergbaus und der Industrie quantitativ und qualitativ den Britanniens weit überflügelte, beruhte auf Leibniz‘ Rat an Zar Peter I. Leibniz‘ Wirtschaftswissenschaft wurde im Deutschland des 18. Jahrhunderts unter dem Titel „Physikalische Ökonomie“ im Rahmen des kameralistischen Programms gelehrt, das später Persönlichkeiten wie Freiherr vom Stein und die Brüder Humboldt hervorbrachte. in Frankreich und Italien wurde sie durch den Oratorianer-Orden und dessen Umfeld kanalisiert. In Russland war sie in Leibniz‘ Petrograder Akademie angesiedelt. In den Vereinigten Staaten wurde sie noch vor Smiths Wealth of Nations eingeführt, vor allem durch Dr. Franklin. Aber obwohl das Haus Hannover kurzzeitig ein Projekt betrieb, Leibniz zum britischen Premierminister zu machen, gelangte Leibniz‘ Wirtschaftswissenschaft niemals an die Küsten dieses Landes. (Anmerkung d. Red.: Dieser und der folgende Absatz sind in der deutschen Ausgabe von 1983 verkürzt enthalten.)

Der erste Versuch, eine Doktrin der politischen Ökonomie in Großbritannien zu entwickeln, geht zurück auf eine lange Kutschfahrt im Jahr 1763, während der der berüchtigte zweite Earl of Shelburne Adam Smith Vorgaben für einen Plan zur Ruinierung der Wirtschaft der englischen Kolonien in Nordamerika diktierte. Zu dieser Zeit war Smith ein hochrangiger Untergebener von David Hume im britischen Geheimdienst SIS (Secret Intelligence Service) und offiziell Professor für Moralwissenschaften an der Universität von Edinburgh. Hume war Lord Shelburnes Untergebener im britischen SIS bei Operationen gegen Frankreich, und Shelburne selbst gehörte wie schon sein Großvater Sir William Petty, der Gründer der Londoner Royal Society, zu den ranghöchsten Familien im schottischen Zweig des SIS. Wie sein Großvater war auch Lord Shelburne von Ruf und Herkunft her ein Jesuit, der eng mit demselben Kreis französischer (Clermont-) Jesuiten verbunden war wie Voltaire, der französische Physiokrat Quesnay und die Freimaurer-Großloge des Schottischen Ritus der jesuitisch-schweizerischen „Neun Schwestern“ in Paris. Er gehörte zu jener seltsamen Sorte schottisch-französisch-schweizerischer Jesuiten (manchmal nominell protestantisch), die zu Lebzeiten Shelburnes, Franklins und Lafayettes Verbindungen zu einer führenden Persönlichkeit dieses merkwürdigen Netzwerks hatten, dem Herzog von Orléans.

David Hume hatte großen Einfluss auf die Formulierung der sog. Moralprinzipien, die die grundlegenden Annahmen der britischen Politischen Ökonomie von Smith über Bentham, Malthus, Ricardo, die beiden Mills, Jevons, Marshall bis Keynes beherrschten. In Smiths Theory of Moral Sentiments von 1759 finden sich bereits alle maßgeblichen Punkte, die später in seinem Plagiat von A. Turgots Schrift Betrachtungen über die Bildung und Verteilung des Reichtums, in seinem bekannten anti-amerikanischen Traktat Wealth of Nations (1776) auftauchen. Das zeigt folgender Abschnitt aus der Schrift von 1759:

„Die Sorge um die universelle Glückseligkeit aller denkenden und fühlenden Geschöpfe obliegt Gott und nicht dem Menschen. Der Mensch muss sich um bescheidenere Bereiche bekümmem, die der Schwäche seiner Kräfte und der Begrenztheit seines Auffassungsvermögens viel mehr entsprechen: Die Sorge um seine eigene Glückseligkeit, sowie die seiner Familie, seiner Freunde und seines Landes. … Doch obwohl wir das äußerste Bestreben haben, diese Ziele zu erreichen, wurde es den langsamen und ungewissen Überlegungen unseres Verstandes anheimgestellt, die geeigneten Mittel dafür zu finden. Die Natur leitet uns hierzu meistenteils vermittels ursprünglicher und plötzlicher Instinkte. Hunger, Durst, die Leidenschaft, die die beiden Geschlechter miteinander verbindet, das Wohlgefallen an der Lust und die Furcht vor dem Schmerz veranlassen uns, uns dieser Mittel um ihrer selbst willen zu bedienen, ohne uns darum zu besorgen, dass der große Dirigent der Natur mit ihnen jene wohltätigen Zwecke beabsichtigte.“

Das calvinistische Dogma der Prädestination bietet den Schlüssel für die Methoden, mit denen die schottischen Presbyterianer Machenschaften wie den afrikanischen Sklavenhandel der britischen Ostindiengesellschaft und den Opiumhandel mit China rechtfertigten. Nach diesem calvinistischen Argument ist der Mensch für die Konsequenzen seiner Handlungen für seine Gattung moralisch nicht verantwortlich. Wenn seine moralische Gleichgültigkeit, die sich dadurch auszeichnet, dass er sich um nichts anderes als um seine hedonistischen Impulse kümmert, einem großen Teil der Menschheit schreckliches Leid zufügt, so müsse man Gott dafür verantwortlich machen, da er dem Calvinisten diese hedonistischen Instinkte gab.

Diese calvinistische Rechtfertigung amoralischen Handelns ist der Kern von Smiths Lehre der „unsichtbaren Hand“. Ebenso wie Bentham, Malthus und Ricardo gründete Smith seine Theorie auf David Humes radikaler Zurückweisung jedes erkennbaren moralischen Gesetzes. James Mill rechtfertigte damit den Massenmord in Indien von 1819, John Stuart Mill braute daraus die Doktrin des „Utilitarismus“, und die Werke von Jevons, Marshall und Keynes, um nur einige zu nennen, sagen genau dasselbe aus. Diese moralische „Gleichgültigkeit“ brachte Immanuel Kant derart auf, dass er seine Kritik der reinen Vernunft gegen den britischen Empirismus verfasste.

In der Geschichte der britischen Politischen Ökonomie kommt Lord Shelburnes engstem Mitarbeiter und Schüler, Jeremy Bentham, noch größere Bedeutung als Smith zu. Bentham widmete sich dem gleichen Thema wie Smith in seiner angeführten Schrift von 1759, doch ist er noch brutaler, ein noch radikalerer Anhänger Humes. In dieser Hinsicht vergleiche man Smiths Schrift von 1759 mit Benthams Introduction to the Principles of Morals and Legislation (1780) und mit Benthams volkswirtschaftlichen Hauptwerk In Defence of Usury (1787). Für den Radikalismus Benthams sprechen ebenso seine Pläne für ein Gehirnwäsche-Gefängnis, das Orwells 1984 alle Ehre machen würde, beschrieben in seinem Panopticon.

Dies war die vorherrschende Moralphilosophie jener Kreise, die die Politik des Venezianers Giammaria Ortes zur Grundlage des britischen Malthusianismus machten. Bevor wir uns den unmittelbaren Umständen des Erscheinens von Malthus‘ Buch zuwenden, werden wir den Charakter der venezianischen Verbindung aufzeigen.

In der Zeit von 1589 bis 1603 trug der „Schwarze Adel“ der Venezianer und Schweizer Finanzwelt sowie der Nachbarländer einen blutigen Kampf innerhalb Englands aus, um den von Königin Elisabeth I. erwählten britischen Thronfolger, den jungen Essex, auszuschalten und stattdessen die Thronfolge des Genueser Agenten James VI. von Schottland zu erzwingen. Genua kontrollierte Schottland, seit seine Söldner-Truppen, der Templer-Orden unter Robert Bruce, das Land Anfang des 14. Jahrhunderts unterworfen hatten. Darüber hinaus kontrollierte Genua Schottlands bedeutendste Verbindung zum europäischen Kontinent, die französischsprachigen Gebiete der Schweiz sowie die angrenzenden französischen Provinzen. Das war seit dem 15. Jahrhundert der Fall, als sich Britannien, Genua und Karl der Kühne von Burgund gegen Ludwig XI. von Frankreich verbündet hatten.

Gleich nach seiner Krönung im Jahre 1603 gewährte der neue König von England James VI. den ausländischen Bankiers, die ihm zur Macht verholfen hatten, ein Monopol über die britischen Staatsschulden sowie die Einziehung der Steuern in England. Francis Bacon, der als Agent der Genueser Pallavicini-Interessen eine führende Rolle bei der Vorbereitung des Coups der Jahre 1589–1603 innegehabt hatte, wurde zum Schatzmeister ernannt und blieb es, bis die Bevölkerung gegen Bacons grenzenlose Veruntreuung zu rebellieren begann. Aus diesen Ereignissen gingen der britische Bürgerkrieg des 17. Jahrhunderts sowie die Entstehung des Finanzzentrums in der City of London mit der Bank von England hervor.

Im Verlauf dieser Entwicklungen verlagerten die Genueser und venezianischen Finanzinteressen die atlantische Abteilung ihrer Levante-Gesellschaft von dem fürchterlich ausgeplünderten Portugal nach Großbritannien und in die Niederlande, wo die Levante-Gesellschaft die britische und holländische Ostindiengesellschaft ins Leben rief. Diese Organisationsstruktur wurde mit den Reformen von 1688/89 konsolidiert. Für eine solche Politik standen Hume und Shelburne. Durch Shelburnes Abkommen mit König George III. verstärkte die britische Ostindiengesellschaft 1782/83 ihre Kontrolle über die britische Regierung.

Wir müssen noch einige Beobachtungen über die Periode 1603 bis 1783 hinzuzufügen, damit der Charakter der britischen und amerikanischen Hintermänner des heutigen Neumalthusianismus richtig verstanden werden kann.

Wie wir feststellten, wurde England im Verlauf des Bürgerkrieges im 17. Jahrhundert von Genueser und Venezianer Finanzkreisen übernommen. Der Zusammenbruch der bisherigen Idee vom Commonwealth durch die Stuart-Restauration von 1660 beschleunigte die Auswanderung britischer Republikaner in die nordamerikanischen Kolonien. Diese Entwicklungen von 1603-1689 begründeten jene tiefgreifenden Differenzen in der Kultur und der moralischen Anschauung, die Großbritannien und Amerika im Verlauf des 18. Jahrhunderts in zunehmenden Maße voneinander trennten.

Während des späten 17. und 18. Jahrhunderts errangen ausländische Finanzinteressen in Britannien eine solche Vormachtstellung und überlappten sich dermaßen mit der Feudal- und Finanzaristokratie, dass kaum noch zu unterscheiden war, was ausländische und was einheimische Interessen waren – zumindest soweit die herrschenden schottischen und englischen Kreise eine gemeinsame Politik verfolgten. Die lange Herrschaft dieser Kreise und ihre totale Kontrolle über das öffentliche Leben bewirkten, dass die britische Bevölkerung des 19. Jahrhunderts – genauso wie heute – die amoralische Lehre von Hume, Smith, Bentham u. a. als „gesunden Menschenverstand“ und „menschliche Natur“ akzeptierte. Abgesehen von den letzten Resten eines englischen Republikanismus, die Franklins Freund Dr. Joseph Priestley repräsentierte, sowie irischen und schottischen republikanischen Tendenzen war in den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts die philosophische Anschauung John Miltons in der britischen Bevölkerung praktisch ausgelöscht.

Die republikanischen Kreise Nordamerikas wurden somit zum Zentrum republikanischer Weltanschauung und Kultur unter den englischsprachigen Völkern. Zu welchen Konsequenzen diese unterschiedliche Weltanschauung in den USA und England in der Praxis führte, zeigte sich bei der Volkszählung in den USA 1790 und ist aus zahlreichen weiteren Dokumenten dieser Zeit zu entnehmen. Die Lese- und Schreibkundigkeit der mündigen Bevölkerung der USA lag über 90 Prozent, doppelt so hoch wie in Großbritannien! Der Amerikaner war in Europa weit und breit als der „Latein-Farmer“ bekannt, weil die Kenntnis der klassischen Sprachen unter den amerikanischen Bürgern weiteste Verbreitung fand. Die maßgebliche politische Literatur und die Populärliteratur, der zum Beispiel die Unterstützung der amerikanischen Bevölkerung für die Verfassung zu verdanken ist, zeigt, dass die amerikanische Bevölkerung im Jahr 1790 ein weitaus höheres moralisch-intellektuelles Niveau hatte als heute, misst man es an der Fähigkeit, wie der Dichter Percy B. Shelley es definierte, „wesentliche Gedanken über Mensch und Natur zu erfassen und mitzuteilen“. Die kulturelle Überlegenheit der amerikanischen Bürger gegenüber den britischen Untertanen zeigte sich auch darin, dass ein amerikanischer Arbeiter im Durchschnitt zweimal so viel realen Reichtum produzierte und verdiente wie ein britischer Arbeiter. Neben den amerikanischen Patrioten schottischer, deutscher, irischer Herkunft usw. stammten die Amerikaner großenteils aus England und waren Anhänger John Miltons. In diesem Sinne war die amerikanische Revolution eine Wiederholung des britischen Bürgerkrieges des 17. Jahrhunderts – diesmal jedoch mit Erfolg.

Diese Entwicklungen in Großbritannien und Amerika spielten sich vor dem Hintergrund übergreifender Ereignisse in Europa ab. In diesem Zusammenhang lässt sich die Verbindung zwischen venezianischen, genuesisch-schweizerischen und britischen Finanzkreisen am deutlichsten aufzeigen.

Dieselben Umstände, die dem Genueser Staatsstreich von 1589–1603 in England zu Hilfe kamen, bewogen Frankreichs katholischen Monarchen im 17. Jahrhundert dazu, die Protestantische Union anzuführen, wobei Richelieu, dessen vom Papst selbst ernannter Nachfolger Kardinal Mazarin und Mazarins Nachfolger Jean-Baptiste Colbert die führende Rolle spielten. Die katholische Partei unter den venezianisch beherrschten Habsburgern umfasste hingegen auch die französischsprachigen Schweizer Protestanten und die venezianischen Jesuiten sowie im allgemeinen auch die protestantischen Monarchen Britanniens und der Niederlande, wenn nicht französische Bestechungsgelder die Loyalitäten der Stuarts umkehrten. Die offiziellen Bezeichnungen jener Parteien erscheinen verwirrend, doch das gilt für alle entscheidenden politischen Entwicklungen der Weltgeschichte bis zum heutigen Tage.

Die wirkliche Auseinandersetzung in den europäischen Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts spielte sich nicht zwischen Katholiken und Protestanten als solchen ab. Beide waren in den eigenen Reihen auf das bitterste gespalten – in Fragen von weit grundlegenderer Bedeutung als das nominelle Festhalten am Papsttum. Eine der beiden Anschauungen, die ihre Anhänger sowohl unter Katholiken wie Protestanten hatte, kann bis auf das Konzil von Florenz im Jahre 1439 zurückverfolgt werden. Es ist der katholische neuplatonische Humanismus des 15. Jahrhunderts, wie er sich in den einflussreichen Schriften des Kardinals Nikolaus von Kues über Theologie, Naturgesetz und wissenschaftliche Methode widerspiegelt. Die entgegengesetzte Weltanschauung, die zur venezianischen und Genueser Politik wurde, war die Wiederbelebung des Römischen Rechts. Hier wird der Mensch und seine Stellung im Universum so gesehen, wie ihn das byzantinische, römische, persische und babylonische Reich sowie die alte Philisterstadt Tyros sahen – eine Tradition, die sich zu den Chaldäern von Ur zurückverfolgen lässt.

Die republikanische Weltanschauung beruht auf der Erkenntnis, dass sich der Mensch grundlegend vom Tier unterscheidet, da ihm ein göttliches Potenzial eigen ist, weshalb das menschliche Leben für die Gesellschaft als unantastbar gelten muss. Es muss daher Aufgabe des Staates sein, diese kreativen, geistigen Fähigkeiten jedes einzelnen Mitglieds der Gesellschaft zu schützen und zu entwickeln und den Menschen die Möglichkeit zu geben, diese Fähigkeiten fruchtbringend einzusetzen. Die dem entgegengesetzte oligarchische Anschauung vom Menschen, wie sie Bacon, Hobbes, Locke, Hume und Bentham vertreten, betrachtet den Menschen als ein von hedonistischen Trieben beherrschtes sprechendes Tier, dessen Erkenntnisfähigkeit und Selbstinteresse sich auf die Wahrnehmung von Freude und Schmerz beschränkt. Eine solche oligarchische, verkommene Anschauung vom Menschen spricht deutlich aus obigem Zitat von Adam Smith. Auch Benthams Introduction to Principles of Morals and Legislation liegt diese Weltanschauung zugrunde.

Zu jener Zeit, als Malthus seine Schrift On Population verfasste, gab der Dichter, Dramaturg und Historiker Friedrich Schiller eine treffende Beschreibung für den tiefgreifenden Bruch zwischen den politischen Lagern in Europa: Es war der Kampf zwischen der republikanischen Tradition von Solon von Athen und der oligarchischen Tradition des legendären Lykurg von Sparta. Die republikanische Tradition in ihrer wirklichen und allgemeinen Bedeutung und philosophischen Weltanschauung kann in Westeuropa bis auf den hl. Augustinus, die weitreichenden Reformen unter Karl dem Großen und Kues‘ Prinzipien des Naturrechts zurückverfolgt werden. Das kusanische Naturrecht ist bis heute Grundlage jeder Verfassung und der Gesetze der internationalen Völkergemeinschaft. Der oligarchische Gegner hingegen stützt sich auf das Vorbild der bestialischen, sodomitischen spartanischen Oligarchie, wo junge Aristokraten versklavte Heloten nach Gutdünken ermordeten, als eine Art von Bevölkerungskontrolle. Dies war auch Gepflogenheit der „katholischen Fraktion“ unter den venezianischen Habsburgern im 16. und 17. Jahrhundert.

Lykurgs Weltanschauung, jenes unmenschliche „spartanische Modell“ des Tempels des Apollo-Kults von Delphi, legte die Grundlagen für den modernen Malthusianismus und Neumalthusianismus. Am deutlichsten geht dies aus den Schriften des führenden Delphi-Anhängers Aristoteles hervor, in erster Linie aus der Politik und der Nikomachischen Ethik. Es gibt keine üble Gepflogenheit der Malthusianer, die nicht in diesen beiden Werken empfohlen würde! David Hume, Adam Smith, Jeremy Bentham, der Kreis um Lord Shelburne, die Weltanschauung der britischen Ostindiengesellschaft und der heutigen Neumalthusianer, sie alle gehen moralisch-philosophisch auf Aristoteles zurück.

Bevor wir uns der amerikanischen Seite des Malthusianismus zuwenden, müssen wir einen weiteren Aspekt im unmittelbaren Umfeld von Malthus beleuchten: wie die britische Ostindiengesellschaft in den Jahren 1782–83 die Regierung völlig unter ihre Kontrolle brachte.

Im Jahre 1782 hatte der Krieg mit den Vereinigten Staaten die verschuldete britische Regierung in den Bankrott getrieben. Zu dieser Zeit versuchte Shelburne, Kontrolle über die britische Regierung zu erlangen. 1783/84 hatte er schließlich Erfolg. Zusammen mit Francis Baring, Bankier der britischen Ostindiengesellschaft, verhandelte Shelburne mit König George III., dass Shelburnes Befehlsempfänger, William Pitt der Jüngere, zum Schatzkanzler ernannt wurde. Dies war jedoch nur der erste Schritt. Wie belegt werden kann, zahlte John Robinson 1784 im Auftrage Shelburnes 200.000 Pfund Bestechungsgelder an britische Parlamentarier. Laurence Sullivan von der britischen Ostindiengesellschaft besorgte die Finanzmittel für diesen vielleicht größten „Parlamentarierkauf“ die jüngeren Geschichte.  Damit begann die lange Herrschaft William Pitts des Jüngeren als Premierminister.

Im selben Jahr, 1784, veränderte Shelburne die Struktur der britischen Ostindiengesellschaft, vermehrte ihre Macht und ihren Reichtum und stellte sie den britischen Geheimdiensten (SIS) gleich. Jeremy Bentham wurde Shelburnes Experte für schmutzige politische Operationen. Unter anderem schickte er den britischen SIS-Agenten Danton und den Schweizer Marat von London nach Frankreich, wo sie sich an die Spitze des jakobinischen Terrors stellen sollten. Den gleichen Kreisen gehörten auch Malthus, Ricardo, James Mill, John Stuart Mill und andere an. Dies waren die wahren Malthusianer.

All jene Männer waren Jesuiten. Im Gegensatz zur offiziellen Geschichte der Societas Jesus  wurde dieser Orden tatsächlich nicht in Paris, sondern von der venezianischen Contarini-Familie in Venedig gegründet. Während einer Pilgerfahrt nach Palästina verweilte Ignatius von Loyola einige Zeit in Venedig und wurde hier für einen venezianischen Geheimdienst gewonnen, der sich in allen wesentlichen Grundzügen an dem Modell des antiken Kultes von Delphi und den Peripatetikern orientierte. Ursprünglich war der Jesuitenorden aus dem Hospitaliterorden des hl. Johannes hervorgegangen, der zu jener Zeit als Malteserorden bekannt war und von Venedig gesteuert wurde. Aus guten Gründen hatte der Vatikan die Jesuiten im 18. Jahrhundert verboten, weshalb diese ihr Hauptquartier damals nach Russland verlegen mussten. Dort blieb es, bis der Venezianer Capodistria (der zu jener Zeit russischer Außenminister war) auf dem Wiener Kongress von 1815 die offizielle Wiederzulassung der Jesuiten in Europa aushandelte. Der Orden sollte nun seine Tätigkeit als verlängerter Geheimdienstarm des Fürsten Metternich aufnehmen. In dieser Funktion gingen die Jesuiten dem britischen SIS bei einer ganzen Welle von Mordanschlägen und erfolgreichen Meuchelmorden zur Hand, die sich vor allem gegen US-Präsident Abraham Lincoln und seine Kabinettsmitglieder richteten.

Sir William Petty, der Großvater von Lord Shelburne, studierte unter Mersennes Anleitung am Jesuitenkolleg in Caen, wo auch René Descartes seine Ausbildung erhalten hatte. Die Schotten, die 1660 Karl II. in Großbritannien wieder an die Macht gebracht hatten, waren allesamt Jesuiten oder bei ihnen in der Schule gegangen. Shelburne selbst hatte in Frankreich eine jesuitische Ausbildung erhalten und konnte nur deshalb offiziell keine führende Position in Großbritannien einnehmen, weil die Jesuiten keinen guten Ruf genossen. Darüber hinaus hatte Shelburne durch seinen Schwiegervater John Cartaret in Frankreich engen Kontakt zu dem Bolingbroke-Kreis. Benjamin Disraeli fasste diesen Sachverhalt später mit folgenden Worten zusammen:

„Lord Shelburne nahm von Anfang an das System Bolingbrokes an. Eine tatsächliche Monarchie anstelle einer bloßen obersten Verwaltung; eine dauerhafte Allianz mit Frankreich, anstelle der Politik der Whigs, die in dieser Nation immer den natürlichen Feind Englands sahen; und an erster Stelle einen Plan für die Etablierung der Handelsfreiheit, die im Kern bereits in den lange verschmähten Verhandlungen von Utrecht angelegt war, doch erst nach Lord Shelburnes Engagement bald in allen Wirtschaftsfakultäten Europas zur Reife kam.“

Welch verlogene Speichelleckerei! Shelburnes Allianz mit Frankreich war eine Allianz mit dem Herzog von Orléans; eine Allianz mit der Großloge des französischen Johanniterordens. Dies waren die Kräfte, die König Ludwig XVI. und Marie Antoinette entmachteten und köpfen ließen, die hinter dem Machtaufstieg und Terror der Jakobiner standen und die Anfang 1786 die „Freihandelspolitik“ unter ihrem Finanzminister Jacques Necker durchpeitschten – eine Politik, in deren Folge Frankreich, die damals blühendste Industrienation Europas, 1789 in den Bankrott getrieben wurde. All dies geschah in engster Tuchfühlung mit den — zu jener Zeit offiziell verbotenen — Jesuiten und führenden Schweizer Bankiersfamilien in Lausanne und Genf.

Ignatius de Loyola (links) und Johann Calvin (rechts) sind zwei Seiten derselben Medaille venezianischer Prägung.

Jener Hospitaliterorden, aus dem die Jesuiten als eine peripatetische Spaltung hervorgingen, hat heute sein Domizil in der Schweiz. Ihm hat das Land die Lehren eines Johannes Calvin zu verdanken, der seine Ausbildung in den Pariser Kreisen Loyolas genoss. Genf wurde so dem Namen nach protestantisch, das genuesisch kontrollierte Schottland presbyterianisch, während das dem Vatikan feindlich gesinnte Venedig sich des nominell katholischen Jesuitenordens bediente. In Frankreich, wo der schottische Ritus, die Jesuiten und die Schweizer Calvinisten unter Schirmherrschaft der Johanniter ein Bündnis eingegangen waren, gab es zwischen den drei Gruppen praktisch keine Unterschiede. Sie teilten gemeinsame Prinzipien, die ihnen in der Praxis weit bedeutender waren als ihre nominelle Zugehörigkeit zur protestantischen oder katholischen Glaubensgemeinschaft. Dasselbe gilt noch heute für Frankreich und die Vereinigten Staaten – zumindest auf der höchsten Ebene der Schottischen Freimaurer und des Hospitaliterordens. Hier liegt ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis des Malthusianismus. Dies erklärt auch die Tatsache, dass die Jesuiten die offiziellen Kanäle des Vatikans schamlos nutzten, um die Vorstellungen des Club of Rome zu propagieren. Sie machen hierbei nicht einmal vor der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften halt. Es ist kein Wunder, dass die Kirche immer wieder aus scheinbar mysteriösen Gründen scheiterte, den lebensfeindlichen malthusianischen Lehren Einhalt zu gebieten.

Uns interessiert nicht, ob bestimmte Mitglieder des Jesuitenordens, der schottischen Freimaurer oder Presbyterianer offiziell christlich oder jüdisch sind. Wir mischen uns nicht in die inneren Angelegenheiten der Religionen ein, weisen jedoch mit Nachdruck darauf hin, dass unter dem Deckmantel religiöser Organisationen in hinterhältiger Weise in die Politik eingegriffen wird. Tatsache ist, dass der Jesuitenorden als solcher, die höchsten Ränge des schottischen Freimaurer-Ritus, wie zum Beispiel die Rosenkreuzer, die calvinistischen Bankenkreise, die sich unter dem Banner der schottischen Kirche vereinigt haben, und die französischsprachigen Calvinisten in der Schweiz und Frankreich ein und dieselbe Macht repräsentieren.

Diese ehrenwerten Herren festigten von 1787 bis 1792 ihre Macht in Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Ihren Anfang nahm diese Operation mit den Plänen des britischen Staatssekretärs Henry Dundas, den Opiumhandel nach China auszuweiten. Die britische Ostindiengesellschaft trat nun in die Fußstapfen der holländischen Ostindiengesellschaft und verlagerte ihre Investitionen aus dem schrumpfenden afrikanischen Sklavenhandel in den weit lukrativeren chinesischen Opiumhandel. Es waren vor allem die Jesuiten, deren Operationsbasen in China und Indien den Opiumhandel im 17. und 18. Jahrhundert auf breiter Basis erst möglich gemacht hatten.

Das ist Malthusianismus in Reinkultur. So hatte  Adam Smith den Opiumhandel in der für die schottisch-calvinistisch-jesuitische Moral kennzeichnenden Weise verteidigt: „Die Sorge um die universelle Glückseligkeit aller denkenden und fühlenden Wesen obliegt Gott und nicht dem Menschen. Der Mensch muss sich um bescheidenere Bereiche kümmern… (wir werden veranlasst), uns dieser Mittel um ihrer selbst willen zu bedienen, ohne uns darum zu besorgen, dass der große Dirigent der Natur mit ihnen jene wohltätigen Zwecke beabsichtigte.“ Der afrikanische Sklavenhandel, der Opiumhandel in China und im Falle der involvierten Amerikaner, Hochverrat, dies alles war nur Mittel zum Zweck, um die britische Ostindiengesellschaft, ihre amerikanischen Handlanger und ihre Nachkommen noch mächtiger und einflussreicher zu machen und ihnen noch mehr Respekt zu verschaffen.

Adam Smith (links) und Lord Shelburne (rechts) planten während der berühmten Kutschenfahrt 1763 die wirtschaftliche Zerstörung der späteren Vereinigten Staaten.

Sklaven- und Opiumhandel, Wucher, die profitable Vermarktung von Verrat waren die Markenzeichen für Moral und Philosophie der britischen Ostindiengesellschaft und ihrer amerikanischen Agenten, d. h. der damaligen Malthusianer; ihre Nachkommen in der Schweizer Oligarchie und dem  „Schwarzen Adel“ stehen heute hinter dem Malthusianismus.

Der britisch-amerikanische Opiumhandel

Der Kern des heutigen „Ostküstenestablishments“ der Vereinigten Staaten konzentriert sich auf jene großen amerikanischen Familienbesitztümer, die diese Familien über ihre Beteiligung am China-Opiumhandel der britischen Ostindiengesellschaft Ende des 18. und im Verlaufe des 19. Jahrhunderts an sich raffen konnten. Hier ist an erster Stelle das „Perkins-Syndikat“ in Salem, Massachusetts, zu nennen. Die Lowells, Cabots, Forbes, Higginsons, Peabodys, Cushings, Perkinses und wie sie alle heißen, sind Familien, die ursprünglich aus Essex County nördlich von Boston in Massachusetts stammen. Seit dem amerikanisch-britischen Krieg von 1776–1783 sind sie jedoch durch Heiraten untereinander so verschmolzen, dass sie heute praktisch alle auf einen Stammbaum zurückgehen.

Seitdem diese Familien Neu-Englands in der Zeit um 1763–83 erstmals als ausgeprägte Kraft in Erscheinung traten, war ihnen eines gemein: ihre Feindschaft gegen die amerikanische Unabhängigkeit. Als britische Einflussagenten machte ihr Profitstreben von 1776–1815 nicht einmal vor offenem Verrat halt; ihr Hauptvermögen „erwarben“ sie sich mit Immobilienspekulationen — vielfach mit tatkräftiger Unterstützung der britischen Regierung — und „legalisiertem“ Menschenraub im afrikanischen Sklavenhandel und dem chinesischen Opiumhandel.

Diese Leute zeichnen sich noch durch weitere Aspekte aus: Sie standen in der amerikanischen Revolution dem britischen Agenten Aaron Burr nahe und unterstützten Burrs Hochverrat in den Jahren 1800/1804 und 1807/1808. Wie John Quincy Adams und die damaligen amerikanischen Geheimdienste aufdecken konnten, kollaborierte diese Essex-Junto nicht nur fortwährend mit Burrs Kreisen, sondern auch mit britischen Geheimdienstagenten in Nova Scotia und Boston. Während des zweiten britisch-amerikanischen Krieges von 1812–1815 kümmerten sich diese Familien um Finanzen und Logistik der in Kanada stationierten britischen Streitkräfte, die dann in die Vereinigten Staaten einmarschierten. Sie steckten auch hinter dem Projekt „Hartford Convention“, demzufolge Neu-England sich von den Vereinigten Staaten abspalten und mit den britischen Provinzen in Kanada eine neue Konföderation bilden sollte.

Ziel des Hochverrates, den die amerikanischen Neu-England-Familien in Zusammenarbeit mit dem britischen SIS während des gesamten Zeitraums von 1800–1861 verfolgten, war die „Balkanisierung“ der Vereinigten Staaten in möglichst viele Teile. Aus diesem Grunde stellten sie sich im Jahre 1800 hinter Aaron Burrs Präsidentschaftskandidatur und 1804 hinter seine Kandidatur zum Gouverneur des Staates New York. Ein erneuter Versuch zur Spaltung der Union 1807–1808 wurde gemeinsam von Präsident Thomas Jefferson und dem damaligen Senator John Quincy Adams vereitelt. Ihr letzter, gescheiterter Versuch zur Spaltung der USA mündete schließlich in die Gründung der Konföderierten Staaten von Amerika, in enger Tuchfühlung mit dem SIS.

Die Essex-Junto, die in erster Linie von Salem und Newburyport aus operierte, begründete in Zusammenarbeit mit dem britischen SIS einen Nistplatz in Charleston im US-Bundesstaat Süd-Carolina. Von hier aus wurden in den gesamten Südstaaten den Freimaurern des schottischen Ritus und den Freimaurern nahestehenden Organisationen wie den Rittern des Goldenen Kreises, einem Vorläufer des ebenfalls vom britischen SIS 1867 gegründeten Ku-Klux-Klan, Tor und Tür geöffnet. Das Newburyport-Zentrum dieser Kabale, an dessen Spitze u. a. Caleb Cushing stand, bereitete in enger Abstimmung mit Cushings Mitverschworenen in Charleston und dem führenden britischen Agenten in New York, August Belmont, den Boden für den Bürgerkrieg von 1861–1865. Alle diese Darstellungen können Briefen dieser Zeit entnommen werden, darunter auch der noch erhaltenen Korrespondenz Belmonts. Belmont führte die Demokratische Partei in den 1850er und 1860er Jahren zu ihren Siegeszügen. Dieser Verschwörung gelang es zweimal hintereinander, Präsidenten ihrer Wahl an die Spitze Amerikas zu bringen: Franklin Pierce und James Buchanan. In ihrer Amtszeit setzten die beiden Präsidenten Aufrüstung der späteren Konföderierten und die Abrüstung der Nordstaaten durch.  Um die Situation weiter anzuheizen, mauserten sich die Neu-England-Familien mit ihrer langen Tradition im afrikanischen Sklavenhande zu radikalen Verfechtern der „Sklavenbefreiung”; wiederum auf britische Anweisung organisierten sie scheinbar gegen die Sklaverei gerichtete, paramilitärische Aktionen, um eine Lage zu schaffen, in der eine Spaltung zwischen den Nord- und den Südstaaten als akzeptable Lösung erschien.

Während dieser ganzen Zeit hatten die Essex-Junto mit ihren Verbündeten in New Hampshire, Vermont und Connecticut immer engen Kontakt zu den Finanzinteressen in New York City, New Jersey und Pennsylvania, die wiederum Großbritannien sehr nahe standen.

Der Grundstock ihrer riesigen Familienvermögen aus dem chinesischen Opiumhandel wurde 1792 gelegt, als Thomas Handasyd Perkins aus Salem in Massachusetts sich aus dem afrikanischen Sklavenhandel – mit dem seine James & T.H. Perkins Company die ersten gewinnbringenden Geschäfte gemacht hatte – zurückzog, und sich stattdessen dem chinesischen Opiumhandel der britischen Ostindiengesellschaft zuwandte. Perkins anfänglicher finanzieller Erfolg bei diesem neuen Unternehmen hatte den Vorzug, dass er die Unterstützung von Mitgliedern der Perkins-Familie genoss, die während der amerikanischen Revolution nach Großbritannien geflüchtet waren. Alle führenden Familien Neu-Englands hatten direkt oder indirekt in britische Familien eingeheiratet. Der britische Ableger der Perkins-Familie benutzte als Opiumumschlagplatz den türkischen Hafen Smyrna, der somit Stützpunkt von Perkins‘ Operationen wurde.

All diese Neu-England-Familien der Essex-Junto und ihrer Verbündeten beteiligten sich an Perkins‘ Operationen und waren somit integraler Bestandteil des „Perkins-Syndikats“. Schon bald war der New Yorker Opium-Boss, Jacob Astor, überrundet, und die führenden Opiumhändler Connecticuts, Russell & Company, wurden vom Perkins-Syndikat einfach geschluckt.

Durch Heiraten waren die Familien völlig miteinander versippt und bildeten eine große Familie.  McGeorge Bundy ist ursprünglich ein „Lowell“, aus einer Familie, die aus dem britischen Sklavenumschlagshafen Bristol in England nach Newburyport gekommen war. Bundy ist einer jener Erben von Ländereien, die aus Grundstücksspekulationen, Sklavenhandel und Verrat erworben wurden. Andere profitable Unternehmungen waren der schon erwähnte Rauschgifthandel, die Kinderarbeit in Lowells Textilfabriken in Neu-England, die Fischerei Neu-Englands und so weiter. Doch der Name „Lowell“ unterscheidet sich in nichts von den anderen. Man braucht nur etwas an Bundys Stammbaum zu rütteln, und schon purzeln all die verfaulten Äpfel der an Verrat beteiligten „Familien“ Neu-Englands herunter.

Um den Kern des heutigen „Ostküsten-Establishments“ zu erfassen, muss man neben den oben erwähnten „Familien“ Neu-Englands sowie bestimmten führenden Familien in New York und anderen, die dem ursprünglichen Netzwerk Aaron Burrs angehörten, noch zwei weitere Bereiche erwähnen. In einigen Fällen, wie dem Haus Morgan, gingen diese neuen „Familien“ auf gemeinsame Interessen in Großbritannien und Neu-England, bzw. New York, New Jersey und Pennsylvania sowie in Baltimore, Maryland zurück. Eine zweite Kategorie bilden die Netzwerke von August Belmont, Judah Benjamin und den Slidells, die erst die Abspaltung der Südstaaten begünstigten und sich dann daran bereicherten, nach dem amerikanischen Bürgerkrieg ihre ehemaligen Verbündeten wirtschaftlich bis aufs Blut auszusaugen. So entstand im Kern die heutige New Yorker Hochfinanz, in die auch „Familien“ aus der Schweiz, Deutschland und Großbritannien einheirateten.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts nahm diese gesellschaftliche Machtkonstellation unter Leitung von Großbritannien konkrete Gestalt an. Hierfür sind zwei Fälle bezeichnend: Der erste betrifft die Gründung der National Civic Federation, die von den Morgans als amerikanischer Ableger von Lord Alfred Milners Round Table aufgebaut wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete Milner eine zweite Vereinigung in Britannien, das Royal Institute for International Affairs, das seinen Sitz in der alten Pitt-Residenz in London, dem Chatham House, hatte: seine Filiale in New York City ist heute der New Yorker Council on Foreign Relations, in dem die National Civic Federation aufgegangen ist.

Diese „Familien“ sind im allgemeinen auf der Grundlage des „venezianischen Modells“, dem Fondo, organisiert. Ein Fondo ist ein Treuhandvermögen, aus dem die Erben einen ihnen zugestandenen Teil abziehen erfreuen dürfen und ihr Einkommen erwerben können, doch ist es ihnen individuell nicht gestattet, das Kapital anzuzapfen. Die Fondi verschaffen den Familien so etwas wie Unsterblichkeit, eine Existenz, die mehr oder weniger unabhängig ist vom Geschick der gegenwärtigen Generation der Familie. Der Fondo wird „professionell“ von Personen verwaltet, die der jeweiligen Familie angehören können, jedoch nicht müssen. In dem italienischen Modell hat der Geschäftsführer des Fondo die Vollmachten eines römischen pater familias. Das schließt die Macht mit ein, einen Erben zu bestimmen, der nicht der Familie als solcher angehört, um die Weiterexistenz des Fondo zu garantieren.

Mit solch einem Arrangement hat die „Familie“ alle Merkmale einer feudalen Institution. Aus diesem Grunde hat der führende amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Henry C. Carey die britische Wirtschaft als eine nicht-kapitalistische, sondern vielmehr als eine Mischform zwischen Feudalismus und Kapitalismus definiert, wobei die Feudalinteressen – die Rentierfinanzinteressen der herrschenden Finanzelite – die industriell-kapitalistische Seite kontrollieren und oft unterdrücken.

Dies ist eine institutionelle Form, die weit älter ist als Venedig oder selbst die Herrscherstrukturen der oligarchischen Macht im Römischen Reich. Sie geht auf die Phönizier und die Chaldäer aus Ur zurück. Dies ist der typische institutionelle Rahmen einer oligarchischen Gesellschaft.

Seit den ältesten urkundlich belegten Zeiten zeichneten sich die oligarchischen Familien durch dieselben Merkmale aus, die wir schon von Venedig her kennen. Investitionen in Produktionsgüter sind selten nach ihrem Geschmack, es sei denn, sie dienen irgendwelchen Finanzspekulationen. Ihre bevorzugten Geschäfte seit dem letzten Jahrtausend bis zum heutigen Tage sind Wucher, Gewinne aus Grund- und Bodenbesitz, monopolistische Preisspekulationen, insbesondere im Bereich des Rohstoffhandels, Handel mit Luxusgütern und die Macht, die direkt und indirekt aus der Besteuerung öffentlicher Schulden und öffentlicher Regierungseinnahmen erworben wird. Die Phönizier begannen den afrikanischen Sklavenhandel, und in ihrer Tradition legten arabische Händler die Anfänge für den Rauschgifthandel im Fernen Osten. Sie perfektionierten den afrikanischen Sklavenhandel bis zu einem Punkt, an dem die Venezianer ihn dann übernahmen.

Seit Einführung der Einkommenssteuer haben Rechtsanwälte in den USA, unter denen auch zahlreiche Mitglieder jener „oligarchischen“ Familien mit ihren Kanzleien zu finden sind, eine ganze Reihe von Wegen ausfindig gemacht, den Fondi ähnliche Institutionen ins Leben zu rufen: Treuhandstiftungen für die Verwaltung von Grund und Boden und private Familienstiftungen sind hierfür lediglich Beispiele. Die „Familien“, die dem New Yorker Council on Foreign Relations angehören, entsprechen somit mehr oder weniger dem venezianischen Vorbild. es sind die Fondi, oder zumindest ihr amerikanisches legales Ebenbild, die vertreten sind. Die Fondi der Ostküste sowie ihre Helfershelfer sehen sich selbst als diejenigen, die die Herrschaft über die Vereinigten Staaten innehaben, Wahlen manipulieren und je nach Belieben über Aufstieg und Sturz gewählter Regierungen befinden.

Es wäre ein Fehler anzunehmen, die bestimmenden Faktoren der Familien des Ostküsten-Establishments seien vorwiegend eine Kombination aus der biologischen Herkunft und den finanziellen Institutionen, die sich diese Familien zugelegt haben. Entscheidend sind vielmehr Kirche und Ausbildungsapparat. Die meisten der Familien gehören heute entweder der anglikanischen (englischen), presbyterianischen (schottischen) oder katholischen (jesuitischen und venezianischen) Kirche an. Die Gesamtstruktur wird von „Bruderschaften” zusammengehalten, die sich mit der kirchlichen und weltlichen Hierarchie der Kirchen überschneiden. An der Spitze steht der britische Johanniter-(Hospitaliter-)Orden, in die sich die Freimaurer des schottischen Ritus und der Jesuiten-Orden direkt einordnen. Die religiöse und kultische Struktur erstreckt sich des weiteren auf die führenden Universitäten wie Harvard, Yale, Princeton, und zu einem gewissen Grade auf ein Netzwerk privater höherer Lehranstalten wie die berühmte anglikanische Groton-Schule und die Phillips-Akademie in Andover und Exeter. Der Familienkreis, die Kirche, die Bruderschaften, die Universität mit ihren Clubs, sie alle verschaffen den Sprösslingen des Ostküsten-Establishments eine mehr oder weniger kontrollierte Umgebung von der Geburt bis zum Tode.

Das britische Beispiel hat bei den Institutionen Schule gemacht, und dies besonders, seit Eliot Präsident der Harvard-Universität wurde. Die Institutionen tragen dafür Sorge, dass sich die Familienmitglieder als „Mitglieder des Establishments“ fühlen und die seit Generationen in ihren Familien vertretenen Weltanschauungen teilen.

Noch eine weitere Funktion hat eine derart total kontrollierte Umgebung: sie dient der Beobachtung und potentiellen Rekrutierung vielversprechender Angestellter dieser Familien. Die Universitäten, Bruderschaften, Kirchen, sie alle haben hier entscheidende Bedeutung. Die Talente lassen sich auf diese Weise in aller Ruhe beobachten, ohne jede Verpflichtung eingehen zu müssen. Vielversprechende Sprösslinge erhalten weiteren Schliff und werden in die Gesellschaft eingeführt. Professoren an Universitäten und Beobachter an anderen Ausbildungsstellen sondern den Nachwuchs aus und rekrutieren Schüler für eine Feudalbürokratie, deren Karriere im Dienste dieser „Familien“ steht oder fällt.

Dieser Züchtungs- und Filtrierungsprozess über einen Zeitraum von mehr als 200 Jahren hinweg hat bis heute im amerikanischen Ostküsten-Establishment eine Weltanschauung genährt, die ehemals unter den mit Sklaven und Opium handelnden Hochverrätern gang und gäbe war. Entscheidend ist hierbei nicht, dass die Vorfahren des heutigen Ostküsten-Establishments Sklavenhändler, Opiumhändler und Hochverräter waren; wichtig ist vielmehr, dass die „Familien“ und ihre feudal-bürokratische Anhängerschaft bis zum heutigen Tage dieselbe Unmoral und Weltanschauung auf ihre Fahnen geschrieben haben.

Das Ostküsten-Establishment besitzt den größten Teil der Medien und der Unterhaltungsindustrie der Vereinigten Staaten, den größten Teil der führenden Finanzinstitutionen, die meisten Rohstoffkartelle, und hat eine eiserne Kontrolle über den Grundstücksmarkt, insbesondere den Grund- und Bodenbesitz in rohstoffreichen Gebieten. Entweder direkt oder durch finanziellen Druck stehen ihnen die meisten Industrieunternehmen zu Diensten, desgleichen die führenden Kreise politischer Parteien und maßgeblicher Stiftungen.

Das Ostküsten-Establishment in den Vereinigten Staaten war es schließlich, das in den Jahren 1964–68 eine scharfe Wende der amerikanischen Politik einleitete, um so die Vereinigten Staaten in ein neumalthusianisches Paradies zu verwandeln, eine „nach-industrielle Gesellschaft“. An vorderster Stelle stand hierbei McGeorge Bundy, der „Kopf des Establishments“, zuerst als Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates unter Präsident Kennedy und Johnson, ab 1966 bei der Ford Foundation und seit jüngstem mit finanzieller Unterstützung der Sloan-Familie als alterfahrener Sonderberater in einem eigens für ihn eingerichteten Posten der New Yorker Universität. Bundy und seine Mitarbeiter gründeten aus den Überresten der Anti-Vietnamkriegs-Bewegung und der Neuen Linken im Winter 1969–70 die ersten Anfänge der „Umweltschutzbewegung“.

Diesem Prozess liegt ein noch ein tieferer Aspekt zugrunde, dem wir uns jetzt zuwenden werden: die langfristige Strategie, wovon der heutige neumalthusianische Irrsinn nur ein Teil ist.