Zwischen dem 28. März und 4. April 1982 grollte, dampfte und speite der Vulkan El Chichón auf der mexikanischen Yucatán-Halbinsel; dabei stieß er geschätzte 3 bis 4 Kubikkilometer Material in die Erdatmosphäre aus. Diese ungeheurliche Verschmutzung durch Mutter Erde beinhaltete geschätzte 15 Millionen Tonnen an Schwefel und schwefelhaltigen Verbindungen, etwa 15 Prozent dessen, was die gesamte Industrieproduktion der Erde heute in einem Jahr freisetzt.
Was in die Höhe steigt, fällt gewöhnlich wieder herunter. Die Luftverschmutzung, die durch El Chichón in der oberen Erdatmosphäre angerichtet worden war, kam als saurer Regen auf die Erde zurück. In Deutschland brach daraufhin ein Geschrei aus: „Die Wälder sterben! Wir müssen die Wälder retten!“ (Anmerkung d. Red.: In der deutschen Ausgabe von 1983 wird statt auf den Ausbruch des El Chichón auf einen noch stärkeren des Mount St. Helen verwiesen.)

Der mexikanische Vulkan El Chichón, aufgenommen im November 1982. Bild: NASA

Als sei es eine heidnische Glaubensformel, beharren viele Deutsche darauf, dass die Industrie für das Sterben der Wälder verantwortlich sei. Für diese Fanatiker muss die Schuld eben bei der Industrie liegen, ob dies nun wahr ist oder nicht. Wie verhält es sich aber mit El Chichón? Für die heutigen Ökologen sind Tatsachen bedeutungslos, insbesondere, wenn diese Tatsachen beweisen, dass Mutter Natur selbst der Übeltäter ist.

Noch eine andere Tatsache übersehen diese abergläubischen Deutschen bei ihren angestrengten Bemühungen, die Arbeitslosigkeit unter den deutschen Gewerkschaftsmitgliedern zu erhöhen. Wälder müssen genau wie Kinder mit Nahrung versorgt werden, oder sie sterben. Allgemein benötigen Wälder mindestens 900 mm Niederschlag im Jahr. Jene Bäume, die in den deutschen Wäldern sterben, gehen aber nicht an Regenmangel ein. Wälder brauchen eben nicht nur Wasser zu ihrer Ernährung.

Jahrzehnt für Jahrzehnt wurden gefällte Bäume in die Papiermühlen und die holzverarbeitende Industrie gekarrt. Jeder abtransportierte Baum enthält entscheidende chemische Bestandteile, die er der Erde entnommen hat: chemische Substanzen, ohne die zukünftige Bäume nicht richtig, vielleicht sogar überhaupt nicht wachsen können. Wie in der Landwirtschaft auch müssen der Erde wieder chemische Düngemittel und Spurenelemente zugeführt werden, wenn in Zukunft eine gesunde Ernte eingebracht werden soll.

Angenommen, wir lassen jenen Wäldern, in denen wir Jahr für Jahr Bäume ernten, keine neuen Nährstoffe zukommen. Die Wälder müssten schließlich „verhungern“. Wie ein unterernährter Mensch oder jeder andere lebende Organismus sind unterernährte Bäume für Seuchen und Gift eben anfälliger als gut genährte Bäume. Die deutschen Wälder leiden nicht an einem Übermaß industrieller Chemikalien, sondern an einem Mangel davon: Ihnen fehlt die chemische Ernährung, die für das Wachstum gesunder Bäume erforderlich ist.

Klassisches Beispiel für die Zerstörung eines Waldes in jüngster Zeit ist die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes. Teilweise geschah dies, um ein Gebiet für arbeitsintensive Landwirtschaft zu schaffen. Teilweise ging es auch darum, Holzkohle für die Stahlerzeugung zu produzieren. In beiden Fällen wurde Brasilien diese Abholzung in erster Linie vom Ausland aufgezwungen. Grundlage arbeitsintensiver Landwirtschafts-Projekte war die Lehre von der „angepassten Technologie“, wie sie von Weltbank und Brandt-Kommission vertreten wird. Danach steht den Staaten auf der südlichen Erdhalbkugel keine moderne Landwirtschaft und Industrie zu; sie sollen sich vielmehr mit arbeitsintensiver Landwirtschaft und kleinen, primitiven, lokalen Industrien zufrieden geben. Stahl mithilfe von Holzkohle herzustellen ist eine Produktionsmethode aus dem Europa des 16. Jahrhunderts. Brasilien wurde diese Politik als Möglichkeit aufgeschwatzt, Devisen für Importe von Öl und Kohle zu sparen und gleichzeitig notwendigen Investitionen in den Aufbau der eigenen Kernindustrie und Erschließung seiner fossilen Brennstoffe aus dem Wege zu gehen.

Ergebnis dieser „angepassten Technologien“ war eine ökologische Katastrophe globalen Ausmaßes.

Die starken Niederschläge in den Regenwäldern waschen die chemischen Substanzen Jahr für Jahr aus dem Boden. Infolgedessen befinden sich praktisch alle Chemikalien, die für das Pflanzenleben erforderlich sind, in den Bäumen selbst. Ein klassisches Beispiel für die Außerachtlassung dieser Tatsachen ist der Zusammenbruch der alten Angkor-Kultur in Kambodscha. Wenn Bäume gefällt oder ganze Wälder abgebrannt werden, um das Gebiet für primitive Landwirtschaft zu gewinnen, so verwandelt sich der Boden schnell in Laterit, eine Art schlechtes Aluminium-Erz. Nach wenigen Jahren „angepasster Technologie“ bricht die Landwirtschaft dann zusammen, wie man in Brasilien wiederholt erleben musste.

Große Regenwälder haben noch eine andere ökologische Funktion. Sie bestimmen entscheidend das Weltklima. Die Feuchtigkeit, die von den Bäumen ausgeht, steigt mit der Warmluft in die Atmosphäre auf und leistet einen wichtigen Beitrag für die Aufrechterhaltung stabiler Hochdruckzonen. Wird ein großer Teil eines Regenwaldes abgeholzt, dann verändert sich das Weltklima, wie es sich nach Abholzung der brasilianischen Regenwälder gezeigt hat.

Diese Wirkung beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Regenwälder. Auf Druck internationaler Finanzinstitutionen wurden afrikanische Länder in der Sahel-Zone dazu gezwungen, jene Bevölkerungsgruppen stärker zu besteuern, die ihren Lebensunterhalt aus der Herdenhaltung beziehen. Um die erhöhten Steuern zahlen zu können, wurde die Herdenhaltung ausgeweitet. Die Tiere fraßen die vorhandenen Weidegebiete ratzekahl, so dass sich die Grenze zwischen den Steppengebieten in der Sahel-Zone und den Wüstenregionen sehr rasch verwischte.

Die Tatsache, dass keine Feuchtigkeit mehr in die Atmosphäre aufstieg, und Verschiebungen des Amazonas-Hochs reichten aus, um in Nordafrika eine Klimaveränderung zu bewirken. In den halbtrockenen Regionen der Sahel-Zone breitete sich die Wüste aus. Mit industriellen Methoden der Wasserversorgung wäre es durchaus möglich, diese Verwüstung der Sahel-Region rückgängig zu machen.

In Indien führte Brennstoffmangel dazu, dass die Landbevölkerung große Gebiete, einschließlich der Wälder an den Ausläufern des Himalaja, restlos abholzte. Wälder sind jedoch nicht nur zur Regulierung des Wasserhaushalts von Bächen und Flüssen wie auch des Grundwasserspiegels notwendig. Die Wälder nehmen darüber hinaus einen relativ großen Teil der Sonneneinstrahlung auf, verwandeln das Sonnenlicht in Biomasse und mildern die Lufttemperatur der umliegenden Region. In dem Maße, wie Indiens Wasserprobleme zunahmen, wurde das Klima in ganzen Regionen, wo es zuvor während der heißen Jahreszeit noch auszuhalten war, immer unerträglicher.

Nicht das Wachstum der Industrie zerstört die Wälder der Erde. In den meisten Fällen ist es vielmehr unzureichende Industrieproduktion, ein fehlerhaftes industrielles Management der Ökosphäre.

Im Verlaufe der letzten 15 Jahre lag der wichtigste Grund für die Zerstörung der globalen Umwelt in der Duldung einer Politik, die von den sogenannten „Umweltschützern“ gefordert wurde, jenen sog. „Neumalthusianern“ des Club of Rome, des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA), des World Wildlife Fund, des Aspen-Instituts, der Ford Foundation, der Rockefeller Foundation, des amerikanischen Sierra Club usw. Es fließt nicht genügend industriell erzeugte Energie in Form von Chemikalien, als Wasserregulierung etc. in den biologischen Haushalt der Erdbiosphäre. Zur selben Zeit verschwenden wir die Biomasse als Brennstoff etc., anstatt Kernenergie zu benutzen und moderne, industriell erzeugte Baumaterialien anstatt Holz für den Häuserbau zu verwenden.

Andererseits werden seit den ersten Anfängen im Deutschland der zwanziger Jahre die Erforschung und Kolonisierung des Weltraums durch den Menschen geplant. In den fünfziger und sechziger Jahren hatte man damit begonnen, Pläne für die menschliche Kolonisierung des Mondes und des Mars zu erstellen. Mit der Entwicklung und dem Einsatz der kontrollierten Kernfusion wird ein regelmäßiger Verkehr zwischen dem Mars und einer großen Weltraumstation in der Erdumlaufbahn praktisch durchführbar sein.

Die Kernfusion und der Einsatz der Energiestrahlentechnologie, einschließlich hochenergetischer Laser, werden uns die technischen Möglichkeiten bieten, künstlich solche Umweltbedingungen auf dem Mond und Mars zu schaffen und aufrechtzuerhalten, wie sie auf der Erde herrschen. Wahrscheinlich werden wir uns unseres natürlichen Satelliten, des Mondes, als einer logistischen Basis und Weltraumstation bedienen, um von hier aus die weitere Erforschung des nahen und fernen Raumes zu betreiben.

Können Menschen Wälder auf dem Mars anpflanzen? Wenn wir an das Tempo des technologischen Fortschritts wieder anknüpfen können, das für die Forschung und Entwicklung der NASA vor 1967 gang und gäbe war, dann wird dies im 21. Jahrhundert zweifellos möglich sein. Durch die Entwicklung von Kernfusionsreaktoren werden wir billige und ergiebige Energiequellen zur Verfügung haben, zu Kosten, die die künstliche Entwicklung einer „irdischen“ Umwelt unter riesigen Plastikkuppeln ermöglichen. Mit dem Einsatz von Strahlentechnologien wie Hochenergie-Lasern und ähnlichen Technologien aus der relativistischen Physik wird die Arbeitsproduktivität pro Kopf der Bevölkerung das zehn- bis hundertfache des heutigen Niveaus erreichen! Fortschritte in der Biotechnik werden es uns möglich machen, Bäumen und anderen Pflanzen Eigenschaften zu verleihen, die den Bedingungen einer künstlichen „irdischen“ Umgebung angepasst sind.

Wenn das alles schon in weniger als einem Jahrhundert möglich sein kann, warum sollten wir dann nicht heute schon imstande sein, das weitaus einfachere Problem der Umweltverbesserung auf der Erde zu lösen? Mit Hilfe hochenergetischer Kernfusion, Teilchenstrahlen, Biotechnik usw. können wir künstlich Luft, Wasser, usw. im Weltraum erzeugen und Pflanzen entwickeln, die besonderen Bedingungen angepasst sind; vielleicht wird es uns sogar möglich sein, eine neue, verbesserte Form von Chlorophyll zu entwickeln, die den Energieumsatz der Pflanzen verdoppeln oder verdreifachen kann. Zum Teil existieren solche Technologien bereits heute oder stehen kurz vor der Realisierung. Warum dulden wir also auf der Erde Bedingungen, die bereits mit bestehenden Technologien verändert werden könnten?

Der Grund für die Beibehaltung dieser erbärmlichen Bedingungen ist einfach: Einige Personen mit großem Einfluss auf Medien, Universitäten, Finanzinstitutionen und politische Parteien in weiten Teilen der Welt wollen nicht, dass die Gesellschaft diese Probleme löst.

Nehmen wir z. B. den Fall Rudolf Bahro. Einst genoss dieser Herr internationales Ansehen als großer „Freiheitskämpfer”, als er von der DDR ausgebürgert wurde. Man kann sich heute leicht vorstellen, wie hell erfreut die DDR-Regierung mit ansah, wie das andere Deutschland, die BRD, nun in den Genuss von Bahros Ratschlägen kam. Im Frühjahr 1983 hielt Bahro während einer Rede demonstrativ Samenkörner – wohl Getreidekörner – in die Höhe und erklärte, dieses Saatgut repräsentiere den Anfang aller Übel, wovon die Menschheit heute befallen sei.

Betrachten wir uns die Grundtatsachen der Wirtschaftsgeschichte und der wirtschaftlichen Situation der Menschen in prähistorischen Zeiten, dann werden wir schnell feststellen, was Herr Bahro mit dieser Erklärung fordert:

Die niedrigste bekannte Gesellschaftsform ist die „Jäger- und Sammlergesellschaft“, jener Zustand, auf den die Menschheit nach den Vorstellungen Herrn Bahros zurückfallen soll. Solch eine Gesellschaft bedarf für die Ernährung jedes Menschen 10 bis 15 Quadratkilometer der bewohnbaren Erdoberfläche. Infolgedessen könnte die gesamte Weltbevölkerung niemals die Obergrenze von 10 Millionen Menschen überschreiten. Diese Tatsache veranlasst uns Herrn Bahro darum zu ersuchen, doch bitte namentlich alle viereinhalb Milliarden Menschen aufzuzählen, die heute auf der Erde leben und seiner Meinung nach sterben müssen, damit das Bevölkerungsniveau dem Standard vor der Erfindung der Landwirtschaft vor ca. 10.000-12.000 Jahren angepasst wird!

Die erste Stufe der Menschheit, die der Jäger und Sammler, konnte weniger als einen Menschen pro Quadratkilometer ernähren, so dass auf der Erde höchstens einige zehn Millionen Menschen existieren konnten.

Eine Gesellschaft ohne Landwirtschaft wäre nicht nur äußerst bevölkerungsarm. Die allgemeine Lebenserwartung läge weit unter 20 Jahren, und die einzelnen Stämme wären ständig vom Untergang bedroht. Herr Bahro hat sich noch nicht darüber ausgelassen, die durch die landwirtschaftliche Revolution erzeugten Nahrungsmittel und Kleidungsstücke boykottieren zu wollen. Doch meint er es offenbar ernst, wenn er erklärt, er halte es für einen Fehler, dass die Menschheit einst die geistig so anregende Kultur der südafrikanischen Strandläufer verlassen hat, die sich von verwesten Fischen ernährte und davon, was die Brandung sonst noch ans Ufer warf.

Der Übergang zur Viehzucht, zur Weidewirtschaft der Nomaden, erhöhte die Bevölkerungsdichte auf etwa 8 Menschen pro km2, der Ackerbau in primitiver Form brachte eine Erhöhung auf rund 20 Menschen pro km2.

Zugegeben, es handelt sich bei Herrn Bahros Ansichten um die extremistische Meinung einer exzentrischen kleinen Minderheit, die allerdings gut organisiert und im Wachsen begriffen ist. Dennoch stellt er nur die extremste Version eines breiteren Spektrums neo-malthusianischer Dogmatiker dar. Sogenannte „Umweltschützer“ oder „Ökologen“ gewinnen zunehmenden Einfluss auf die großen politischen Parteien, einmal abgesehen von den diversen technologie-feindlichen Sekten unter Leitung von Neo-Nazis und sog. Linken. Darüberhinaus ist ein Großteil der Medien, der Unterhaltungsindustrie, der Gerichte, der Parlamente und einflussreicher Stiftungen mehr oder weniger von neumalthusianischer Politik und Propaganda des Club of Rome durchdrungen.

Einen enormen Fortschritt brachte die Industriegesellschaft. Eine moderne energieintensive Landwirtschaft erhöhte die Bevölkerungsdichte auf einige hundert Menschen pro Quadratkilometer. Die relative potenzielle Bevölkerungsdichte der Erde steigt damit auf einige zehn Milliarden Menschen. Bild: Wikipedia/Albarubescens

In den letzten Jahren wurde vielfach übersehen, dass die „Umweltbewegung“ auf Massenbasis in Wirklichkeit recht neuen Datums ist. Ihre Vorläufer wurden Ende 1969 ins Leben gerufen, wobei man die Reste der Ostermarschierer aus den 50er Jahren, Vietnamkriegsgegner von 1965–69 sowie die Neue Linke auf beiden Seiten des Atlantiks zu einer Bewegung verschmolz. Am „Sonnentag“ im Frühling 1970 fanden die ersten Demonstrationen für die „Sache des Umweltschutzes“ statt. Das Verbot des Pestizids DDT (unter falschem Vorwand) und die Kampagne gegen Kernenergie folgten diesem Startschuss nur wenig später. Diese ganze Ideologie ist also gerade erst zehn Jahre alt!

Außer bei den umprogrammierten ehemaligen Linken bekamen die neumalthusianischen Organisationen bis 1972 keinen Fuß auf den Boden – bis das Buch Die Grenzen des Wachstums erschien. Das Buch verdankte seine Veröffentlichung dem Club of Rome und diente als Startschuss zu einer breiten Propaganda-Kampagne, die den Club of Rome mit einem Schlage zu einer Institution mit maßgeblichem Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse machte.

Die in Grenzen des Wachstums dargelegten Thesen basieren auf einer Computer-Studie, die unter Leitung von zwei Professoren des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA, Dennis Meadows und Jay Forrester, erstellt wurde. Vor allem aus zwei Gründen handelt es sich bei dieser Studie um einen auffälligen Schwindel: Bei ihrem Versuch zu beweisen, dass die Industriegesellschaft rapide die noch verbliebenen natürlichen Rohstoffe erschöpfe, haben Meadows und Forrester die bekannten tatsächlichen Rohstoffressourcen viel zu gering angegeben. Noch schwerer wiegt jedoch der zweite Punkt: Meadows und Forrester haben den Verbrauch der natürlichen Rohstoffe mit Hilfe simultaner linearer Gleichungen in die Zukunft hochgerechnet. Die Benutzung linearer Gleichungen für ein Computermodell dieser Art setzt die Annahme voraus, dass der technologische Fortschritt der Gesellschaft gleich Null ist! Technologischer Fortschritt und grundlegende Neudefinitionen „natürlicher Rohstoffe“ waren jedoch Kernpunkte der europäischen Kultur der vergangenen 500 Jahre. Die Grenzen des Wachstums stehen oder fallen demnach mit der Annahme, dass der technologische Fortschritt an sein plötzliches und absolutes Ende gekommen sei.

Wie konnte irgend jemand solch einen Unsinn glauben? Jeder qualifizierte Wissenschaftler wusste, dass die Argumentationsgrundlage des Club of Rome ein ausgemachter Schwindel ist. Und die meisten Ingenieure wussten es. Die Industrie wusste es. Und hätten die Verantwortlichen in den Medien einmal die Wissenschaftler konsultiert, so hätten auch sie es gewusst. Wenn Regierungen und politische Parteien einen Funken an Verantwortung gezeigt hätten, so wären der Club of Rome und seine Grenzen des Wachstums als durchtriebener Schwindel verurteilt worden.

Wenn uns tatsächlich die Kohle ausgeht – dabei reichen die heute bekannten Kohlevorräte noch für die nächsten 200 Jahre –, warum steigen wir dann nicht auf die ergiebigere Kernenergie um? Warum beschleunigen wir nicht die Entwicklung der fast grenzenlosen Energiequelle, die uns mit der Kernfusion zur Verfügung stünde? Auch das Erdöl geht keineswegs zur Neige; wir entdecken schneller neue große Vorkommen, als wir die alten erschöpfen. Doch wenn wir uns darüber Sorgen machen, dass bei der Verbrennung fossiler Energieträger Kohlendioxid und andere Schadstoffe in die Atmosphäre gelangen, warum gehen wir dann nicht schleunigst zur nuklearen Erzeugung von Prozesswärme über?

„Radioaktivität?“ Was für ein Unsinn! Ein Kernkraftwerk erzeugt weniger radioaktive Strahlung als ein Kohlekraftwerk mit derselben elektrischen Leistung. Ein Kernkraftwerk strahlt weniger Radioaktivität in die Umwelt ab als eine steinerne Mauer! Ein Mensch, der sich gegen die Wand eines Kernkraftwerks lehnt, bekommt bei weitem weniger radioaktive Strahlung ab, als wenn er eine Flugreise unternimmt oder zum Ski-Urlaub in die Schweizer Alpen fährt. Wenn man sich über diese Strahlenbelastung sorgt, sollte man konsequenterweise auch nicht zulassen, dass zwei (leicht radioaktive) Menschen im selben Bett liegen.

„Aber wie ist es mit der Unfallgefahr?“, könnte man einwenden. Der Fall des Kernkraftwerks Three Mile Island in Pennsylvania hat zweierlei bewiesen. Erstens, dass das Zusammentreffen von Umständen, wie es hier vorkam, nur durch Sabotage möglich ist, und zweitens, dass das Sicherheitssystem hervorragend funktioniert hat. Wie die Ermittlungen während und nach diesem sog. Unfall zur Genüge zeigten, erwiesen sich die Märchen vom „China-Syndrom“ und andere Schauergeschichten, die von den Medien verbreitet wurden, allesamt als absichtliche Lügen.

Um einen atomaren Unfall auszulösen, müsste man entweder direkt über dem Kernkraftwerk eine Atombombe zünden oder die ausgefeilteste Kombination scharfer Sprengladungen, die sich vorstellen lässt, in das Kernkraftwerk hineinbringen. In beiden Fällen macht die Masse an Stahl und Zement, die um Kernkraftwerke herumgebaut ist, sie zu der bombensichersten Konstruktion, die es gegenwärtig auf der Welt gibt. Und wenn wir uns zum Beispiel der Kernbrennstoffe des Thorium-Zyklus bedienen, sinkt selbst die kleinste Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Unfalls auf Null ab.

Das alles ist wohlbekannt. Selbst wissenschaftlich gebildete Berufslügner, die sich als wissenschaftliche Autoritäten für die Sache der Anti-Kernkraft-Bewegung hergeben, wissen es.

Im Fall der Kernfusion ist die Gefahr nuklearer Unfälle von vornherein gleich Null. Bei der Kernfusion dienen Lithium und das Wasserstoffisotop Deuterium, Deuterium und Tritium, oder Deuterium und Deuterium als Kernbrennstoff. In den beiden letzten Fällen werden sog. „saubere Explosionen“ ausgelöst, bei denen keine radioaktiven Abfallprodukte vorkommen. Um eine thermonukleare Zündung auszulösen, sind Temperaturen von 5 ∙ 107 und 5 ∙ 108 Grad Kelvin erforderlich, und selbst dann wird die Zündung nur bei Erzielung der hydrodynamischen Selbstfokussierung des Brennstoffes eintreten, wodurch eine sog. „isentrope Kompression“ ausgelöst wird. Jede Erschütterung, wie z. B. ein Unfall oder im Extremfall eine 10-Megatonnen-Bombe, die auf das Kraftwerk niederfällt, würde die thermonukleare Reaktion abrupt unterbrechen.

Die Kernfusion ist eine weitaus höher entwickelte Form der Energiegewinnung als Kernspaltung, doch wir brauchen den breiten Einsatz der Kernspaltung, damit wir genug Energie erzeugen, um eine Wirtschaft auf Grundlage der Kernfusion aufbauen zu können. Einige Zahlenangaben sind vielleicht von Nutzen.

Nach der heutigen statistischen Wärmetheorie messen wir Wärmeprozesse in Einheiten, der sogenannten Energieflussdichte. Mit dieser Methode wird die Energiemenge gemessen, die einen Querschnitt des Wärmeerzeugungsprozesses passiert. Die beiden Tabellen 1 und 2, die 1979 erstellt wurden, zeigen im Vergleich die Energieflussdichten verschiedener Energieformen sowie die jeweiligen Stromerzeugungskosten.

Tabelle 1: Energieflussdichte

Energiequelle Energieflussdichte in Kilowatt/Quadratmeter
Sonnenenergie (Biomasse) 0,0001
Sonnenenergie (Erdoberfläche) 0,2
Sonnenenergie (nahe der Sonne, in 8 Mio. km Entfernung) 1,4
Fossile Brennstoffe 10.000
Sonnenenergie auf der Sonnenoberfläche 20.000
Kernspaltungsenergie 70.000
Kernfusion (erste Generation) 70.000
Kernfusion (21. Jahrhundert) 1015

Tabelle 2: Energiekosten [Dollarwert 1979]

Energiequelle Gesamtenergiekosten (USD/MWh) Kapitalinvestitionen
(in Mrd. USD/1000 MW)
Öl 45,7 0,94
Kohle 31,7 0,97
Kohlegas 55,7 1,67
Leichtwasserreaktor 28,5 1,16
Schneller Brüter 33,9 1,43
Kernfusion (erste Generation) 45,2 1,92
Sonnenkollektor 490 20,9
Solarzelle 680 28,9

Wenn man zwischen verschiedenen Energiequellen zu wählen hat, so gilt als das einfachste physikalische Prinzip: Je höher die Energieflussdichte, desto leistungsfähiger die Energiequelle. Auf diese Weise wird nicht nur weniger Energie verschwendet, sondern mit steigender Energieflussdichte erhöht sich auch das Arbeitsvermögen der Prozesswärme.

Um die Bedeutung davon erfassen zu können – auch im Hinblick auf die wichtige Frage der Walderhaltung –, müssen wir uns einer anderen bedeutenden Größe zuwenden. Sie hat einen Namen, der für den Laien auf den ersten Blick vielleicht unverständlich klingen und ihn erschrecken mag; doch wir werden zeigen, dass dieser Begriff sehr leicht zu verstehen ist. Es handelt sich um das relative Bevölkerungsdichte-Potenzial. Wir werden die Bedeutung dieser Größe aufzeigen und dann ihre Beziehung zu unserer Aufgabe der Walderhaltung herstellen.

Nehmen wir an, dass eine Bevölkerung ein bestimmtes Gebiet besiedelt hat, das in Quadratkilometern nutzbaren Landes berechnet wird. Wenn man die natürlichen Rohstoffe dieser Region erschließt und zum Einsatz bringt, wie viele Menschen können dann aufgrund ihrer Arbeit auf diesem Gebiet leben? Die Antwort ergibt die Zahl der Menschen, die im Durchschnitt einen Quadratkilometer bewohnen. Das ist die Bevölkerungsdichte.

Diese Zahl ist jedoch noch kein hinreichender Maßstab. Land ist überall von unterschiedlicher Güte, so dass ein Quadratkilometer für menschliches Leben hier nicht dieselben Voraussetzungen bietet wie anderswo. Die Eigenschaften des Landes sind von Ort zu Ort verschieden und variabel. Der Mensch kann die Qualität des Bodens verbessern oder auszehren. Die Qualität des Bodens ist das Gesamtergebnis der Erschöpfung und Verbesserung seiner Substanz. Aus diesem Grunde müssen wir sagen, dass nicht alle Quadratkilometer Land gleich wertvoll sind; sie sind von unterschiedlichem Wert, und dieser Wert ist veränderbar. Darum müssen wir die Bevölkerungsdichte auf die relative Qualität des bewohnten Landes beziehen. Dies ist die relative Bevölkerungsdichte.

Aber das gegenwärtige Bevölkerungsniveau ist nicht unbedingt ein Maßstab dafür, was es sein könnte. Wir müssen berechnen, wie hoch das Bevölkerungsniveau bei den gegenwärtigen Technologien maximal sein kann. Was ist das Potenzial des Bevölkerungsniveaus auf der Grundlage dieser Technologien? Das ist die allgemeine Bedeutung des Begriffs relatives Bevölkerungsdichte-Potenzial.

Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass das relative Bevölkerungsdichte-Potenzial einer Urgesellschaft bei ca. 0,06 bis 0,10 pro Quadratkilometer und einer weltweiten Gesamtbevölkerung von maximal 10 Millionen Menschen liegt. Heute gibt es ca. 4,5 Milliarden Menschen auf der Erde, mehr als 100 mal soviel, wie eine Urgesellschaft erlaubt. Den Faktor 10 nennt man auch eine Größenordnung. Die Menschheit hat also ihr relatives Bevölkerungsdichte-Potenzial um zwei Größenordnungen erhöht. Bei vollem Einsatz der heutigen Technologien sowie der Kernfusions-, Strahlen- und Biotechnik, die in Kürze einsetzbar sein wird, kann unser Planet eine Weltbevölkerung von einigen zehn Milliarden Menschen tragen, und zwar mit einem durchschnittlichen Lebensstandard, der über dem amerikanischen Niveau Anfang der siebziger Jahre liegt. Das wäre ein Anstieg über das Niveau der Urgesellschaft um drei Größenordnungen!

Keine Tiergattung oder andere niedere Lebensform kann das relative Bevölkerungsdichte-Potenzial ihrer Gattung willentlich auch nur um eine Größenordnung erhöhen. Der Mensch unterscheidet sich grundsätzlich von den Tieren. Er ist nicht nur ein Geschöpf der Instinkte, das wie ein Tier nur Schmerz und Freude empfände. Der Mensch ist hiervon vollkommen unterschieden. Er hat das Potenzial zur Vernunft, die kreative Fähigkeit, Entdeckungen zu machen, die seine wissenschaftlichen Kenntnisse bereichern, und diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Technologie umzusetzen. Wir sind in der Lage, mit zunehmender Vervollkommnung die Gesetze zu entdecken, die der universellen Schöpfung zugrundeliegen, und die Natur immer besser zu beherrschen, indem wir uns selbst dazu erziehen, unsere Verhaltensweisen im Einklang mit den universellen Gesetzen zu verändern.

Die fortwährenden technologischen Fortschritte der menschlichen Kultur seit den urzeitlichen Zuständen, zu denen Herr Bahro zurückkehren möchte, haben das relative Bevölkerungsdichte-Potenzial der Menschheit um zwei bis drei Größenordnungen erhöht.

Dieser technologische Fortschritt, diese Steigerung des menschlichen Potenzials konnte durch eine zunehmend bessere Erschließung der Energiequellen erreicht werden. Seit der landwirtschaftlichen Revolution und dem noch weiter zurückliegenden Beginn der Hochseefischerei hat der Mensch die einsetzbare Energie pro Kopf der Bevölkerung erheblich erhöht und konnte die nutzbare Energie, die die Gesellschaft der Natur pro Quadratkilometer abringen konnte, beträchtlich steigern. Heute können wir die Fruchtbarkeit landwirtschaftlich genutzter Gebiete annähernd auf der Grundlage der „künstlichen Energie“, die der Landwirt dem Boden pro Hektar zuführt, messen: dies sind chemische Düngemittel, zusätzliche Spurenelemente, Schädlingsbekämpfungsmittel sowie elektrische und andere industriell erzeugte Energie, die in der künstlichen Bewässerung, landwirtschaftlichen Maschinen usw. eingesetzt wird. Ähnlich ist es in der Industrie und im Gütertransport: Die Arbeitsproduktivkraft pro Kopf der Bevölkerung lässt sich in erster Näherung an der industriell produzierten Energie pro Kopf der Bevölkerung messen.

Dieser technologische Fortschritt ist nicht bloß eine mögliche Option. In einem Punkt haben die Autoren der Grenzen des Wachstums recht, wenn auch wohl ganz unbeabsichtigt: Wenn eine Gesellschaft an irgendeinem Punkt so wahnsinnig ist, den technologischen Fortschritt zum Stillstand zu bringen, so verurteilt sie sich selbst zum Tode.

Produktive Technologie braucht auf jedem Niveau eines bestimmten Spektrums Rohstoffe, die in der Landwirtschaft, Fischerei, Forstwirtschaft, Bergbau usw. gewonnen werden. Diese Güter, die uns die Erde zur Verfügung stellt, werden von uns zu Grundstoffen für Industrie und Verbrauch weiterverarbeitet. Für jeden Entwicklungsstand von Technologie und menschlichem Bedarf existiert ein bestimmter Pro-Kopf-Verbrauch an diesen Rohstoffen.

Um diese Grundstoffe zu gewinnen, ist ein bestimmter Prozentsatz der Gesamtarbeitskraft einer Gesellschaft erforderlich. Nur noch ein kleinerer Teil der Arbeitskraft steht für andere Arbeiten zur Verfügung. In dem Maße, wie eine Gesellschaft die ergiebigsten und daher am einfachsten zu erschließenden natürlichen Ressourcen aufbraucht, erhöht sich der Anteil der Arbeitskraft, den die Gesellschaft darauf verwenden muss, pro Kopf der Bevölkerung die gleiche Rohstoffmenge bereitzustellen. Die Erhöhung der Kosten senkt die durchschnittliche Produktivität der Arbeit. Durchschnittlich können nun bei gleichbleibendem Arbeitsaufwand weniger Menschen vom Produktionsausstoß ernährt werden. Mit anderen Worten: Das relative Bevölkerungsdichte-Potenzial sinkt. Bleibt die Produktionstechnologie immer die gleiche, so werden die Kosten durch das Zurneigegehen entscheidender natürlicher Rohstoffe grenzenlos zunehmen. Aus diesem Grund würde unter solchen Bedingungen das relative Bevölkerungsdichte-Potenzial sich schließlich dem Nullpunkt nähern.

Sobald das relative Bevölkerungsdichte-Potenzial einer Gesellschaft unter das bestehende Bevölkerungsniveau absinkt, fallen die „vier Reiter der Apokalypse“ über die Menschheit her: Hungerkatastrophen greifen um sich, Kriege und bürgerkriegsähnliche Unruhen verschlimmern die Hungersnöte, die vom Hunger geschwächte Bevölkerung wird für Krankheiten anfällig, die sich zu Epidemien und Pandemien ausweiten – wie es Anfang des 14. Jahrhunderts in Europa geschah. Der Zusammenbruch der Landwirtschaft und der hygienischen Verhältnisse führt zum weiteren Umsichgreifen von Seuchen. Die Gesellschaft ist am Ende – wenn sie nicht eine abrupte Wende einleitet.

Technologischer Fortschritt verhindert solche Katastrophen auf zweierlei Weise von vorneherein: Erstens kann die Erhöhung der produktiven Arbeitskraft durch den technologischen Fortschritt das Problem erhöhter Produktionskosten für wichtige Grundstoffe überwinden. Zweitens bewirkt der technologische Fortschritt eine Neubestimmung des Spektrums nutzbarer natürlicher Ressourcen und definiert neue Rohstoffe, so wie die industrielle Revolution mit dem Einsatz der Kohle dem drohenden Zusammenbruch Europas durch die Abholzung der Wälder als Brennholzquelle zuvorkam.

Selbst für die Aufrechterhaltung eines gleichbleibenden Niveaus des relativen Bevölkerungsdichte-Potenzials ist technologischer Fortschritt unverzichtbar. Die ständige Erhöhung der Energieversorgung pro Quadratkilometer und pro Kopf der Bevölkerung ist deshalb für das Überleben der Gesellschaft unverzichtbar. Die wachsende Energiezufuhr muss außerdem relativ betrachtet billiger werden: Die Produktionskosten des erhöhten Energiebedarfs pro Kopf müssen spürbar unter den bisherigen Produktionskosten für eine geringere Energiemenge pro Kopf der Bevölkerung liegen. Die Energieflussdichte muss zumindest im großen und ganzen steigen. Es muss auch regelmäßig eine Revolutionierung des Begriffs der „natürlichen Ressourcen“ stattfinden, selbst unter Bedingungen eines gleichbleibenden relativen Bevölkerungsdichte-Potenzials.

Was die Land- und Forstwirtschaft selbst betrifft, so grassiert heute die weitverbreitete, jedoch falsche Meinung, die Fruchtbarkeit des Bodens hänge von einer angeblichen „natürlichen“ Fruchtbarkeit ab. Auf dieses Argument lief die Position einer radikalen feudalistischen Fraktion im Frankreich des 18. Jahrhunderts, der sog. Physiokraten, hinaus. Das Beispiel der amerikanischen Landwirtschaft seit ihren Anfängen im 17. Jahrhundert ist vielleicht der beste Beweis für die Absurdität der physiokratischen Position. Paradebeispiel ist das kalifornische Imperial Valley. Dieses Gebiet, heute der landwirtschaftlich ertragreichste Boden des Planeten, war vor wenigen Jahrzehnten noch Wüste. Der Umfang der hier erzielten Veränderungen ist eine Ausnahme, das zugrundeliegende Prinzip gilt jedoch allgemein. Fast der gesamte landwirtschaftliche Reichtum der heutigen Vereinigten Staaten sowie die ersten Siedlungen der Gründerzeit wurden der unfruchtbaren, hartnäckigen Wildnis durch künstliche Landgewinnung abgerungen; dieser Prozess ist der Investition in industrielle Kapitalgüter vergleichbar. In Europa, das auf eine lange landwirtschaftliche Geschichte zurückblicken kann, sind diese Tatsachen für jeden, der sich in der Landwirtschaft auskennt, offensichtlich, wenn die Entwicklung hier auch weniger spektakulär verlief als in der recht jungen Landwirtschaft der Vereinigten Staaten.

Eines der besten Beispiele für dieses Prinzip sind die deutschen Wälder, die mit nur wenigen Ausnahmen künstlich vom Menschen angelegt wurden. Es sind eigentlich gar keine Wälder, sondern man müsste sie eher als „Baumäcker“ bezeichnen. Das fällt jedem Spaziergänger sofort auf, der durch die großen Parks, die man „Wälder“ nennt, wandert und sich schon einmal durch einen tropischen Dschungel oder Regenwald vorgekämpft hat. Man sollte diese „künstlichen“ deutschen Wälder deshalb jedoch nicht abwerten, genausowenig, wie man die landwirtschaftlichen Produkte auf unserem Tisch verachten sollte, nur weil unsere tropischen Melonen heute nicht mehr giftig sind wie ihre Vorfahren unter „natürlichen“ Bedingungen. Die „künstlichen Wälder“ sind aus verschiedenen Gründen weitaus besser als die natürlich gewachsenen, und wenn nicht, dann nur, weil der Förster seine Aufgaben als Landwirt vernachlässigt hat. Ein guter Wald braucht Unkrautbekämpfung und Düngung wie das Feld eines Bauern; so entsteht ein gesünderer Wald als unter „natürlichen“ Bedingungen.

Ein Wald ist wie alle Bereiche der Landwirtschaft ein biologisches System. Alle biologischen Systeme – mit Ausnahme der sterbenden – haben als gemeinsames Kennzeichen die Negentropie. Im Laufe ihres Wachstums nehmen sie immer mehr Energie auf, und man kann sie anhand der Energieflussdichte pro Gewichtseinheit bewerten. Ihr Wachstumspotenzial, ihre Qualität und ihre Resistenz gegen verschiedene Krankheiten schwanken je nach der Ernährung, die ihnen ihre Umwelt bietet. Vor allem jedoch bedürfen sie einer reichlichen Energieversorgung in leicht assimilierbarer Form.

Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür wurde in Wales (Britannien) bei Experimenten mit Flachspflanzen gegeben. Wenn man jungen Flachspflanzen die erforderliche Umgebung, Temperatur und Nährstoffe für ihr Wachstum bietet, vollzieht sich in den Pflanzen ein bleibender Wandel. Die Veränderungen erwiesen sich als erblich, obwohl keine genetischen Veränderungen eintraten! Die neuen Merkmale wurden in die zweite, dritte und vierte Generation weitervererbt, selbst dann, wenn die Pflanzen wieder unter den alten Bedingungen gezogen wurden und die speziellen Nährstoffe und Temperaturbedingungen, die die Veränderung ausgelöst hatten, nicht mehr zur Verfügung standen.

Auch in Fällen, bei denen Umweltveränderungen keine erblichen Veränderungen bei Pflanzen auslösen, gilt, dass höhergezüchtete Pflanzenarten gewöhnlich eine bessere Umwelt und insbesondere reichlichere Nährstoffe brauchen. Dies ist durch künstliche Bewässerung, Bodenverbesserung und gegebenenfalls die Heranzüchtung der Keimlinge in Treibhäusern bis zur Umpflanzung erreichbar. All dies erfordert industriell erzeugte „künstliche Energie“ und schlägt sich in der erhöhten Zufuhr „künstlicher Energie“ pro Hektar nieder, ganz gleich ob es sich um Äcker oder um Wälder handelt. In Deutschland gehört deshalb das Chemiewerk BASF traditionell zu den besten Freunden von Wald und Acker.

Die Vorstellung, auf dem Mars unter einer künstlichen Kuppel einen Wald anzupflanzen und ihm alle „irdischen“ Bedingungen zukommen zu lassen, ist sehr hilfreich. Es ist die richtige Herangehensweise, um über die Probleme der Erhaltung und Verbesserung der Umweltbedingungen auf der Erde nachzudenken. Wenn wir die Probleme lösen wollen, die mit der Anpflanzung eines Waldes auf dem Mars auf uns zukommen, entwickeln wir damit zugleich auch Technologien, die uns bei der Erhaltung und Pflege unserer Wälder auf der Erde sehr von Nutzen sein werden.

Auf dem Mars wie auf der Erde brauchen wir für solche Vorhaben den Segen des technologischen Fortschritts. Für die Lösung der Probleme der Biosphäre brauchen wir nicht nur neue Technologien, sondern auch neue Energiequellen, um die für dieses Vorhaben erforderliche Energie bereitzustellen. Es ist außerdem unerlässlich, dass wir die gesellschaftlichen Kosten dieser Tätigkeiten durch Erhöhung der gesellschaftlichen Produktivkraft senken.

Prinzipiell ist das nichts Neues. Insbesondere in Europa sind diese grundlegenden Ideen seit Jahrhunderten bekannt. Wir müssen uns fragen, wie es möglich ist, dass Personen und Institutionen von erheblichem Prestige, Reichtum und Einfluss eine Doktrin ins Leben riefen, die so ungeheuerlich, gefährlich und absurd ist wie der Neumalthusianismus des Club of Rome.