Die Wirtschafts- und Flüchtlingskrise mit der Neuen Seidenstraße lösen!

Konferenz/ Seminar
E.I.R. Seminar in Frankfurt 2016
Hussein Askary, Generalkonsul Äthiopiens Mehreteab Mulugeta Haile, Claudio Celani, Helga Zepp-LaRouche, Marcello Vichi und Andrea Mangano (v.l.n.r.)

Ein Ausweg aus der wirtschaftlichen und humanitären Krise in Südwestasien und Afrika durch den Aufbau von Infrastrukturprojekten und Realwirtschaft war das zentrale Anliegen des Seminars, das E.I.R. in Kooperation mit dem Äthiopischen Generalkonsulat am 23. März in Frankfurt a.M. veranstaltete und das von Diplomaten, Ingenieuren, politischen Aktivisten und Flüchtlingen aus insgesamt 20 Ländern besucht wurde.

Das außergewöhnliche Treffen zeigte das immense Zukunftspotential, das sich durch die derzeit entstehende neue Weltordnung auftut. Nach Jahrzehnten des Entwicklungsstillstands unter der Ideologie von „Grenzen des Wachstums“ und „angepaßten Technologien” sind jetzt zumindest außerhalb des transatlantischen Raums Großprojekte wieder an der Tagesordnung. Die internationale LaRouche-Bewegung fordert diese Herangehensweise seit Jahrzehnten, jetzt hat China entschieden, dies mit der Neuen Seidenstraße konkret einzuleiten, und damit eröffnet sich die Möglichkeit, als Seiteneffekt dieser chinesischen Strategie „Ein Gürtel, Eine Straße“ Großprojekte in zahlreichen Nationen zu verwirklichen.
Die Redner des Frankfurter Seminars waren:

  • Helga Zepp-LaRouche, Vorsitzende des internationalen Schiller-Instituts;
  • Hussein Askary, Redakteur der arabischsprachigen E.I.R.-Publikationen und Übersetzer des E.I.R.-Berichts Die neue Seidenstraße wird die Weltlandbrücke in arabischer Fassung;
  • Mehreteab Mulugeta Haile, Generalkonsul der Demokratischen Volksrepublik Äthiopien;
  • Marcello Vichi, Vizepräsident der Italienischen Vereinigung der Wasseringenieure und Mitarbeiter beim Transaqua-Projekt.
  • Andrea Mangano, Vizepräsident der Italienischen Vereinigung der Wasseringenieure und Mitarbeiter beim Transaqua-Projekt.

Für die Podiumsdiskussion schlossen sich an:

  • Mohammed Bila, Mitglied der Kommission für das Tschadseebecken;
  • Ulf Sandmark vom Schiller-Institut Stockholm und dem Schwedisch-Syrischen Komitee für Demokratie.

In ihren einleitenden Worten bekräftigte Helga Zepp-LaRouche, dies sei kein akademisches Seminar, sondern angesichts von Finanzkrach, Flüchtlingskrise und Kriegen gehe es darum, die greifbaren Lösungen sofort umzusetzen. Zweifellos habe Rußland durch das Eingreifen in Syrien die Spielregeln verändert und die Kumpanei des Westens mit Saudi-Arabien, Katar und der Türkei beim Aufbau von ISIS und anderen Dschihad-Gruppen offengelegt. Mehrmals betonte sie, die kürzlich getroffenen Vereinbarungen zwischen der EU und der Türkei seien eine Scharade.

Zepp-LaRouche, die in China seit den 90er Jahren als die „Seidenstraßenlady“ bekannt ist, zeigte den krassen Gegensatz zwischen der Politik der Europäischen Zentralbank, „Helikoptergeld“ zur Rettung der Banken auszuschütten, und der chinesischen „Win-Win-Strategie“, die nicht nur China diene, sondern alle Nationen einschließe.

Wenn man nur in Europa sei, betonte Zepp-LaRouche mehrmals, werde man leicht von Pessimismus und Verzweiflung überwältigt, wegen der verzweifelten Versuche der politischen Eliten und Medien, ein sterbendes System zu erhalten. Gerade deshalb sei es so wichtig, sich mit der optimistischen Dynamik zu befassen, die in den meisten anderen Teilen der Welt um sich greift.

Anschließend präsentierte Hussein Askary den E.I.R.-Bericht Die neue Seidenstraße wird die Weltlandbrücke in arabischer Fassung und fügte hinzu, daß dieser Bericht genau gleichzeitig auch im Jemen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, obwohl das Land dem mörderischen Bombardement einer saudisch geführten Koalition ausgesetzt ist.

Bei der Neuen Seidenstraße gehe es um mehr als nur den Bau von Straßen und Eisenbahnen, betonte Askary, es sei ein Entwicklungskonzept, um mittels Korridoren die Lebensumstände von 450 Millionen Menschen in der westasiatischen Region – mit Syrien im Zentrum – zu verbessern. Das sind Megaprojekte für rasche Entwicklung, finanziert durch nationale Entwicklungsbanken, ohne Verschuldung beim westlichen Finanzsystem. Als faszinierendes Beispiel nannte Askary das heutige Ägypten, wo man in der vorangegangenen Woche die Idee der Weltlandbrücke enthusiastisch begrüßt hatte. Ägypten sei bereit, die neue Dynamik voll und ganz zu unterstützen.

Großprojekte für Afrika

Mehreteab Mulugeta Haile, Generalkonsul der Demokratischen Volksrepublik Äthiopien, Frankfurt.
Mehreteab Mulugeta Haile, Generalkonsul der Demokratischen Volksrepublik Äthiopien, Frankfurt.

Der äthiopische Generalkonsul Meretheab Mulugeta Haile folgte mit einer Darstellung der Wirtschaftsstrategie seines Landes, mit großen Fortschritten beim Pro-Kopf-Einkommen, der Bekämpfung des Analphabetentums und der öffentlichen Gesundheitsversorgung. Bei einem anvisierten BIP-Wachstum von jährlich 11% möchte Äthiopien 2025 zu den Ländern mit mittlerem Einkommen gehören, indem es Bürgern die Mittel zum Aufbau einer Farm oder eines örtlichen Unternehmens anbietet – Summen, die denjenigen vergleichbar sind, die heute Schlepperbanden von Menschen für die Flucht nach Europa verlangen. Sein Land beherberge die meisten Flüchtlinge in Afrika, 800.000 Menschen vor allem aus dem Südsudan, Somalia, Eritrea, eine Tatsache, die in Europa nicht erwähnt wird. Äthiopien werde sich vom Exporteur von Rohprodukten in eine Nation mit Hochqualitätsprodukten und Infrastruktur verwandeln, und wie Mehreteab betonte, sei in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit Rußland, China, Indien und Brasilien wesentlich.

Die nächsten beiden Sprecher waren in den 80er Jahren unmittelbar Beteiligte bei der Entwicklung des Projekts „Transaqua“, mit Wasser aus dem Kongofluß nicht nur den Tschadsee wieder aufzufüllen, sondern auch alle beteiligten Länder mit Infrastrukturprojekten aufzubauen. Marcello Vichi erläuterte, daß dieses Projekt 35 Jahre lang als frommer Wunsch abgelehnt wurde, dies sich aber jetzt geändert hat. Die Afrikaner wollen sich aus den untragbaren Zuständen der alten, morschen Ordnung des Britischen Empire selbst herausarbeiten. Andrea Mangano zeigte, daß der Tschadsee in den letzten 35 Jahren um 90% geschrumpft ist. Ähnliches gilt für weitere Binnengewässer, wie den Aralsee, den Urmiasee und das Tote Meer, ähnliches drohe möglicherweise dem Turkanasee in Kenia. Transaqua würde 5% des Kongowassers den oberen Zuflüssen entnehmen, während das Kongowasser, das vierzehnfache des Rheins, bisher ungenutzt in den Atlantik fließt.

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Mohammed Bila, Mitglied der Kommission für das Tschadseebecken.

Mohammed Bila von der Tschadsee-Kommission führte aus, daß es seit der großen Dürre von 1973, als der See 40% seiner Zuflüsse verlor, eine Völkerwanderung nach Süden gibt. Die Menschen werden mit ihrem Vieh nicht wieder zurückkehren, bis der See wieder aufgefüllt und das Terrornetzwerk Boko Haram vernichtet sein wird.

Eine anregender Austausch über die „Win-Win-Zusammenarbeit“

Es schloß sich eine anderthalb Stunden lange, breit gefächerte Diskussion mit dem Publikum an, die deutlich machte, daß ein neues Denken im Einklang mit der von China vorgeschlagenen „Win-Win-Zusammenarbeit“ notwendig ist. Eingeleitet wurde dieser Diskussionsteil durch Ausführungen Helga Zepp-LaRouches zur anhaltenden Rolle des Britischen Empires im globalen Finanzsektor und vor allem in führenden Institutionen der internationalen „Umweltbewegung”, wie dem Club of Rome und dem World Wildlife Fund, die vehement große Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte wie Transaqua bekämpfen. Das stark wankende transatlantische Finanz- und Wirtschaftssystem mit London im Zentrum sei in seinem Versuch, seine nicht länger zu haltende globale Vorrangstellung selbst durch Kriege und sogar einen neuen Weltkrieg zu behaupten – eine Bedrohung der gesamten Menschheit im Zeichen der atomaren Überrüstung. Dazu passe, daß der Umwelt-Guru von Bundeskanzlerin Merkel, Joachim Schellnhuber (Träger des Ordens „Commander of British Empire”), eine maximale Weltbevölkerung von einer Milliarde anstrebe.

Die Alternativen liegen auf dem Tisch, betonte Zepp-LaRouche, so wie im Falle des ersten, 1976 veröffentlichten Afrika-Programms einer Arbeitsgruppe um Lyndon LaRouche schon seit 40 Jahren. Wenn man wirklich wolle, könnten der Hunger in Afrika in einem halben Jahr und die Armut auf dem Kontinent innerhalb von fünf Jahren beseitigt und in 10-20 Jahren ein würdiger Lebensstandard für alle Afrikaner erreicht werden, sagte Zepp-LaRouche.

In seiner Antwort auf eine Frage aus dem Publikum nach seiner Ägyptenreise sagte Hussein Askary dann, es gebe ganz klar eine neue Dynamik in der Weltpolitik, und die Entwicklungen in Ägypten seien Teil der sich ausbreitenden Revolte gegen das westliche System. Ägypten selbst sei bedroht durch Terrorismus von innen und durch finanzielle Kriegsführung von außen und habe deshalb auch enorme Probleme, die es aber bisher im Griff hat, weil die Ägypter eine Vision des Fortschritts haben und sich nicht abhängig machen von äußeren Finanzquellen. Immerhin gebe es in dem Land 400.000 Ingenieure, das Potential für eine breite wirtschaftliche Entwicklung sei also vorhanden.

Mohamad Bila erwähnte auf eine Frage zum Stand des Tschadsee-Projekts die vielen Widerstände, auf die das Transaqua-Konzept in den letzten 30 Jahren auch in Afrika selbst gestoßen sei, erläuterte dann aber, daß es bei diesem Konzept nicht nur um Wasser für den Tschadsee gehe, sondern um ein umfassendes Entwicklungsprojekt für ganz Zentralafrika. Die Region habe keine nennenswerte Infrastruktur, weder Straßen noch Strom, andererseits sei Wasser im Kongo und seinen Zuflüssen reichlich vorhanden. Das Wasserprojekt sei Teil eines größeren Programms für die gesamte Region, nur so könne man es verwirklichen, sagte Bila.

Claudio Celani von E.I.R. wies in diesem Zusammenhang auf die zerstörerische Rolle der Terroristen von Boko Haram in der Region um den Tschadsee hin, wo sie lange Zeit die wichtigsten Verkehrsverbindungen unterbrochen hatten, jetzt aber durch die unter nigerianischer Führung stehende militärische Eingreiftruppe von sechs afrikanischen Staaten niedergekämpft wurden, so daß die Sicherheitslage wieder unter Kontrolle und somit eine der wichtigsten Bedingungen für die Verwirklichung des Transaqua-Projekts erfüllt sei.

Der äthiopische Generalkonsul demontierte in einem Diskussionsbeitrag die westliche Propaganda über die angebliche Rohstoffgier der Chinesen in Afrika mit dem nüchternen Hinweis, sein Land besäße gar kein Öl und kein Gas, auf das China scharf sein könne, sondern China unterstütze das Land als Entwicklungspartner ohne Vorbedingungen.

Kamil Maqsou verlas als Vertreter der syrisch-orthodoxen Gemeinde in der Schweiz eine Erklärung, in der er darauf hinwies, daß ein erheblicher Teil der syrischen Flüchtlinge Christen sind, die ihr Land verlassen, um der Verfolgung durch den Islamischen Staat zu entgehen.

Gründe, optimistisch zu sein

Gegen Ende der Diskussion kam aus dem Publikum die Frage, wieviel Zeit noch zur Umsetzung der vorgestellten Programme bleibe; die akute Gefährlichkeit der Krise sei ja nicht zu übersehen, die Ereignisse von Brüssel machten die Dringlichkeit nur noch deutlicher. Hierauf antwortete Helga Zepp-LaRouche, in der Tat gehe es nicht nur um die Seidenstraßenpläne, da sei schon viel auf dem Wege, es gehe eben auch um den Ausstieg aus dem unhaltbaren westlichen Finanz- und Wirtschaftssystem, das Bankenwesen müsse sich gemäß der Glass-Steagall-Bankentrennung umorientieren, ehe alles in sich zusammenbreche und möglicherweise in Chaos und Krieg münde. Die Alternativen zum transatlantischen System müsse man jetzt aus den Schubladen herausholen und verwirklichen – niemand könne unbeteiligter Beobachter bleiben, weil wir alle eben auf einem Pulverfaß säßen, das jede Sekunde explodieren kann. Optimistisch könne man nur in die Zukunft blicken, wenn man von diesen Alternativen ausgehe, sagte Zepp-LaRouche.

Dem schloß sich Marcello Vichi an, indem er sagte, man müsse Optimist sein, denn Pessimist zu sein, sei wirklich zu einfach, zumal heutzutage. In seiner Firma Bonifica, die den Transaqua-Plan erstellte, habe er seine Mitarbeiter jedenfalls immer daran erinnert, sie würden für Optimismus und nicht für Pessimismus bezahlt.

Im Schlußwort des Seminars richtete Helga Zepp-LaRouche einen Appell an alle Teilnehmer, mitzuwirken an einer neuen Renaissance, an einer Massenbewegung für Entwicklung, wobei das Beste jeder Kultur, die deutsche und europäische Klassik ebenso wie der chinesische Konfuzianismus, die Gupta- und Vedenperioden Indiens und die besten Traditionen Persiens und Afrikas eingebracht würden. Schließlich sage man ja, die gesamte menschliche Entwicklung komme letztendlich aus Äthiopien. Wenn man all das mobilisiere, werde man die barbarische Kultur von heute überwinden.


 

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