Standard & Poor's

EU leidet unter selbstverschuldeter Kontraktion der Wirtschaft

Während die Zentralbanken der Öffentlichkeit vorgaukeln, die Inflation sei unter Kontrolle, sind die Signale von den Rohstoffmärkten ganz anders. Die Rohstoffpreise steigen seit etwa zwei Monaten. Gold hat die Marke von 2300 USD überschritten (+11 % seit Jahresbeginn), Silber die Marke von 26,6 USD (+12 %) und Kupfer 4,2 USD (+7 %), während Qualitätsöl der Sorte WTI bei 85 USD pro Barrel liegt (+19 %).

Man erinnere sich, daß die letzte große Inflationswelle durch steigende Rohstoffpreise verursacht war, die sich normalerweise mit einer Verzögerung von 3 bis 6 Monaten auf die Verbraucherpreise auswirken. Die Blase der Rohstoffpreise entstand durch die kostenlose Liquidität der Zentralbanken. Das sogenannte Gegenteil, die „Quantitative Straffung“, sollte die Inflation durch eine traditionelle geldpolitische Verknappung – mit höheren Zinsen und schrittweiser Reduzierung der Zentralbankbilanzen – unter Kontrolle bringen. Doch bei genauerem Hinsehen haben die Zentralbanken die Liquidität sogar weiter erhöht.

Gleichzeitig schrumpft die Realwirtschaft immer schneller, besonders in Europa, wie Indikatoren wie der „Standard and Poor’s“-Einkaufsmanagerindex PMI zeigen. Der PMI gibt das Niveau der realen Geschäftsaktivität der Unternehmen an und ist daher ein besserer Indikator für den tatsächlichen Zustand der Wirtschaft als das Brutto-Inlandsprodukt, das durch finanzielle Werte aufgebläht wird. Ein PMI über 50 steht für Zunahme, ein PMI unter 50 für Schrumpfung.

Standard & Poor's
Die Kredit-Ratingagentur Standard and Poor‘s, Geschäftszentrale in New York, USA. Bild: Wikipedia/B64

Der Vergleich der großen EU-Volkswirtschaften mit Russland ergibt ein schonungsloses Bild. Der PMI für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland sank von 42,5 im Februar auf 41,9 im März. Noch wichtiger ist, daß er seit einem ganzen Jahr unter 50 liegt; von 38,8 im Juli 2023 hatte er sich auf 45,5 im Januar erholt, stieg aber nie weiter. In Frankreich, der zweitgrößten EU-Wirtschaft, liegt der PMI für das verarbeitende Gewerbe ebenfalls seit einem Jahr unter 50, nach dem Höchststand von 47,1 im Februar fiel er im März auf 46,2.

Dagegen hat sich Italiens PMI-Wert etwas erholt und stieg von 44,4 im November auf 50,4 im März, wofür Ökonomen Erklärungen suchen. Sie verweisen u. a. auf niedrigere Produktionskosten, weniger „grüne“ Bürokratie und eine stärkere Öffnung gegenüber dem Mittelmeerraum, Afrika und Amerika. Aber das sind nur Hypothesen. Die Aufschwungsverohersage könnte vorübergehend sein, denn Italien ist ein wichtiger Handelspartner Deutschlands und ein großer Teil seiner Industrie beliefert deutsche Hersteller, besonders in der Automobilbranche. Daher wird eine Krise in Deutschland unweigerlich auch Auswirkungen auf Italien haben.

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