Energiedebatte im Alkoholdunst

Die Äthanol-Kampagne der US-Regierung riecht nach einem gewaltigen Betrug


Als sich Mitte Januar die Hinweise verdichteten, dass hinter der verstärkten Werbung der Regierung Bush für Äthanol als Ersatz für Benzin ein gigantischer Betrug stehen könnte, haben wir angefangen, die Behauptungen der Regierungsbehörden über die Effizienz von Biotreibstoffen zu überprüfen. Auch wenn unsere Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, lieferten sie bereits genug Material, um eine sofortige Überprüfung dieses möglicherweise größten Betrugs der Regierung Bush seit den „Begründungen“ für den Irakkrieg durch den Kongress zu rechtfertigen.

Die wichtigsten Nutznießer dieser betrügerischen Werbekampagne sind die großen Getreidekartelle, die Hedgefondsbetreiber, die diesen Schwindel aufgegriffen haben, und, auf höherer Ebene, die politischen Interessen, die uns in eine Agrargesellschaft nach imperialem Modell zurückführen wollen. Der große Verlierer wird die breite Bevölkerung sein, einschließlich jener Landwirte und Agrarunternehmer, die auf diesen Schwindel hereinfallen.

Ausgangspunkt der Ermittlungen war die Behauptung von Beamten des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) und des US-Energieministeriums (DoE), dass die Produktion von Äthanol eine positive Energiebilanz von 30.528 BTU (British Thermal Unit) pro Gallone habe, also 67 Prozent mehr Energie liefere, als zum Anbau der Rohstoffe, zum Transport und zur Destillation des Äthanols aufgewendet werden müsse, und dass aus Zellulose hergestelltes Äthanol sogar noch eine bessere Energiebilanz haben könnte. Bei genauerer Untersuchung zeigte sich, dass zwar einige unabhängige Analysen aus letzter Zeit auf eine geringfügig positive Energiebilanz hindeuten, dass jedoch die von der Regierung – insbesondere vom Büro des Chefökonomen des USDA – verbreiteten Zahlen stark übertrieben scheinen, mit steigender Tendenz im Lauf der letzten Jahre. Die Daten scheinen selektiv gewählt, um die Behauptungen zu stützen.

Es ist nicht schwer, die Quelle dieser Behauptungen auszumachen. Scientific American zitierte im Januar 2007 einen Bundesbeamten mit Erfahrungen im Energie- und Umweltschutzsektor, der mit Blick auf die Steuervergünstigung für Äthanol (51 Cent pro Gallone) äußerte: „Der Kongress hat keine Analyse der Ökobilanz durchgeführt, sondern eine ADM-Analyse.“ ADM steht für Archer Daniels Midland, das größte der fünf Großunternehmen des Getreidekartells, das seit über zwei Jahrzehnten für den Äthanoleinsatz wirbt, und dessen Einfluss auf das USDA kein Geheimnis ist.

Aber der Betrug reicht weiter als die fragwürdigen Behauptungen über eine angeblich positive Energiebilanz der Äthanolproduktion. Keine kompetente Einschätzung der Biotreibstoffe darf die Betrachtung der thermodynamischen Effizienz der Volkswirtschaft insgesamt übergehen, und dieser Aspekt wurde weder vom Kongress noch von der Regierung wirklich behandelt.

Die Ausweitung des Biospritbetrugs auf Zellulose, die in der Rede des Präsidenten zur Lage der Nation vermutlich ein wichtiger Aspekt sein wird, würde das realwirtschaftliche Nettoprodukt vermutlich noch tiefer in die „roten Zahlen“ treiben. Diese jüngste Bio-Narretei droht uns in jene Gesellschaft von Agrar- und Rohstoffproduzenten zurückwerfen, die durch die Amerikanische Revolution überwunden werden sollte.

Wir freuen uns über Ihr Interesse an unseren Inhalten.
Auf der Übersichtsseite können Sie die gewünschte Publikation bestellen.
Für weitere interessante Themen empfehlen wir einen Besuch bei unserem Online-Shop.