Wenn ich all jene Mitarbeiter namentlich aufzählen wollte, deren Forschungsbeiträge zu diesem Buch beitrugen, so würde das ein Buch für sich in Anspruch nehmen. Deswegen werde ich mich hier auf einige allgemeine Bemerkungen und Beispiele beschränken.

Seit über 10 Jahren arbeitet der Autor als primus inter pares in einer internationalen Organisation, die ihrer Gestalt und ihrem Inhalt nach mit der platonischen Akademie von Athen vergleichbar ist. Man könnte sie auch an den von Gottfried Leibniz erstellten Richtlinien für Akademien oder den nach Leibniz‘ Modell aufgebauten Akademien von Benjamin Franklin messen. Den größten Teil dieser Zeit nutzte die internationale Organisation zum Aufbau eines internationalen politischen Pressedienstes. Hauptsächlich aus dieser Arbeit stammt das Forschungsmaterial, das in den folgenden Kapiteln vorgelegt wird.

Seiner Organisation nach ist dieser Pressedienst wie führende Wochenzeitungen der Vereinigten Staaten aufgebaut, mit Abteilungen für verschiedene Regionen der Welt, die wiederum in Länder aufgegliedert sind. Dazu kommen spezielle Verantwortlichkeiten für Bereiche wie Wirtschaft und Wirtschaftspolitik, Naturwissenschaft, Rechtswissenschaft, Musik usw. Die Arbeitsweise dieses Nachrichtendienstes unterscheidet sich jedoch in zwei grundlegenden Aspekten von der Arbeit der meisten führenden Wochenzeitungen: Die redaktionelle Politik hat sich den Humanismus der Goldenen Renaissance im 15. Jahrhundert zu eigen gemacht, eine Weltanschauung, für die G. W. Leibniz und Benjamin Franklin standen. Die Herangehensweise an gegenwärtige Ereignisse gründet sich auf eingehende historische Studien über Politik, Geistesgeschichte und politische Fraktionen in jedem dieser Spezialressorts.

Neben dem humanistischen Standpunkt haben diese Forschungen zwei weitere Punkte gemein. Erstens stützt sich die Forschungsarbeit vor allem auf historische Primärquellen; wenn eine bestimmte geschichtliche Periode untersucht wird, so werden dafür Werke führender Sprecher der damals maßgeblichen politischen Fraktionen herangezogen. Zweitens liegt das Schwergewicht auf der Erkenntnis einer kontinuierlichen Ideengeschichte und kulturellen Wertvorstellungen, wie sie sich über verschiedene geschichtliche Zeitabschnitte bis zum heutigen Zeitpunkt entwickelten.

Die besondere Betonung der Primärquellen, darunter eine umfassende Auswahl von Korrespondenzen und anderen Schriftstücken aus der in Frage stehenden geschichtlichen Periode, hat sehr oft zu der Erkenntnis geführt, dass das Geschichtsbild, welches die meisten Universitäts-Lehrbücher und vergleichbare Werke vermitteln, größtenteils Legende ist. Die meisten heutigen Geschichtsbücher stellen eine kleine Auswahl von Jahreszahlen, Namen von Institutionen und führenden Persönlichkeiten zusammen und kombinieren diese Einzeltatsachen so, dass sie einer akademisch anerkannten Lehrmeinung gerecht werden. Leider ist die Verfälschung der amerikanischen Geschichte seitens einflussreicher Historiker wie Frederick Jackson Turner, Charles A. Beard, Walter Lippmann und Arthur Schlesinger jr. keine Ausnahme; vielmehr vermitteln die Akademiker der meisten führenden Universitäten heute in fast allen Ländern der Welt eine ähnlich falsche Nationalgeschichte. Legte man diese Geschichtsbücher den Leuten vor, die den jeweiligen Geschichtsabschnitt führend mitbestimmten, so könnten sie sich kaum wiedererkennen!

Obwohl diese volkstümlichen Legenden heute allgemein anerkannt werden und natürlich die allgemeine Sicht der Vergangenheit — und der Gegenwart — beeinflussen, lässt sich die Geschichte nicht so einfach umschreiben. Da die Vergangenheit Institutionen und Ideen hervorgebracht hat, die bis in die Gegenwart wirken, beeinflusst die wahre Geschichte die Verhaltensweise von Völkern und Nationen zu einem Grade, wie es Geschichtslehrer und Regierungen selten für möglich halten. Was Sie heute tun, ist vielleicht ganz wesentlich durch ein historisches Ereignis bestimmt, das Ihr Geschichtsprofessor beharrlich verleugnete!

Aus der Geschichte kann man noch mehr und wichtigeres lernen. Geschichte im eigentlichen Sinne bedeutet, wissenschaftlich zu untersuchen, wie die politischen Entscheidungen einer Generation Konsequenzen nach sich ziehen, die ein, zwei oder drei Generationen später zum Tragen kommen. Wie der Historiker Friedrich Schiller für das Studium der Universalgeschichte formulierte, kann man die Gesetze ableiten, die den Entwicklungsprozess der Geschichte bestimmen. Diese Entwicklungsgesetze können nur erfasst werden, wenn man über lange Zeiträume für jede Periode unermüdlich die innere Geistesgeschichte der Menschheit studiert. Sie sind der Schlüssel für die Zukunft. Die Konsequenzen heutiger Entscheidungen für mehrere Generationen — sagen wir 100 Jahre in die Zukunft — können zu einem erheblichen Maße vorherbestimmt werden. Natürlich können wir nicht vorhersagen, was unsere Nachfolger tun werden, doch wir prägen die allgemeinen Bedingungen, in denen die folgende Generation die Welt oder unser Land im besonderen vorfinden wird, und wir sind verantwortlich für die Verschiebung kultureller Wertvorstellungen, die die Entscheidungsfindung selbst der zweiten, dritten und späterer Generationen maßgeblich beeinflussen werden.

Neben jenen allgemeinen Aspekten, die den längeren Verlauf der Geschichte betreffen, sind wir meist so mit unserem kurzen, vergänglichen Leben und den unmittelbaren Problemen des laufenden, des vergangenen oder des kommenden Jahres beschäftigt, dass wir dazu tendieren, jenen Teil unseres Wissens, den wir „Erfahrung“ nennen, überzubetonen. Dabei gehen wir meistens davon aus, dass die Erfahrung uns lehrt, wie andere auf bestimmte Verhaltensweisen unsererseits reagieren, was Aussicht auf Erfolg haben und was scheitern wird. Doch besonders unter Krisenbedingungen nehmen die Ereignisse plötzlich einen Lauf, der allem widerspricht, was wir aus der Erfahrung gelernt zu haben glauben. Es scheint uns plötzlich, die Welt sei wahnsinnig geworden, so als ob das Sonnensystem mit einem Male gegen die Gesetze der Umlaufbahnen unserer Planeten und ihrer Monde verstoße.

Wenn wir die Geschichte von ihren Primärquellen her kennen, so sehen wir, daß an dieser plötzlichen Veränderung im Verhalten von Völkern und Nationen nichts Ungesetzmäßiges oder Unvorhersehbares ist. Bereits früher gab es plötzliche Wechsel der Institutionen und allgemeinen Verhaltensformen, und sie konnten immer erklärt werden. Allerdings sind gewöhnliche tagtägliche Erfahrungswerte, selbst über einen Zeitraum mehrerer Generationen hinweg, keine kompetente empirische Grundlage, um die tatsächlichen, tieferen Gesetze menschlicher Verhaltensweisen abzuleiten. Wenn man die Entwicklungen in der von der europäischen Kultur geprägten heutigen Welt verstehen will, muss man den Entwicklungsprozess der europäischen Kultur in den vergangenen 2500 Jahren kennen. Vielleicht genügt das nicht, doch wenn wir alle bedeutenden Epochen der europäischen Geschichte seit Solon von Athen kennen, wenn wir ein tiefgehendes Verständnis der Umstände und Ideen jeder maßgeblichen Epoche erworben haben und darüber hinaus wissen, wie die Umstände und Ideen einer Epoche in den vergangenen ihren Ausgang nahmen, dann haben wir das Grundlagenwissen, um die Entwicklungen der heutigen Welt verstehen zu können.

Diese Betrachtungsweise der Universalgeschichte lag einmal der allgemeinen klassischen Bildung für Jugendliche bis zum Alter von 16—18 Jahren zugrunde. Die Geschichtsausbildung begann traditionell mit dem Studium der griechischen und lateinischen Klassik, nicht damit die Jugendlichen lernten, klassisches Griechisch zu sprechen, sondern damit sie die Grundlagen erwürben, die Geschichte von Institutionen und Ideen ab einem klar definierten Ausgangspunkt, der ca. 2500 Jahre zurückliegt, nachzuvollziehen. Auf diese Weise sollten Fähigkeiten und Urteilskraft der zukünftigen Bürger geschult werden. Sie sollten Bürger werden, die in der Lage sind, die praktischen Konsequenzen einer bestimmten nationalen Politik oder auch nur einer persönlichen Lebensentscheidung abzusehen.

Diese Betrachtungsweise der Geschichte erwies sich als sehr fruchtbar und gab uns nützlichere Schlüsse an die Hand als andere Quellen. Infolgedessen wuchs die Betonung der historischen Methode in unserer Arbeit. In dem vorliegenden Buch wenden wir unser Augenmerk drei Fragen zu:

1. Woher kam der Malthusianismus? Wie und warum entstand er? 2. Was wären die Konsequenzen, wenn es uns nicht gelingen sollte, die malthusianische Politik jetzt aus der Welt zu schaffen? 3. Wie kann man diese malthusianische Politik besiegen?

Da die Geschichte des malthusianischen Ideenguts bisher vielen Lesern unbekannt ist, wollen wir einen Einblick in einige Forschungsarbeiten geben, die das vorliegende Buch möglich machten.

Bis 1978 führte ein Forschungsstab von mehr als zwei Dutzend Personen Ermittlungen über die Geschichte des internationalen Rauschgifthandels, wobei sie sich auch der Archive amerikanischer Behörden bedienten. Die Forschungsarbeiten überlappten sich mit breitangelegten Arbeiten eines anderen Teams unter Leitung von Carol White, die zu dem 1980 veröffentlichten Buch The New Dark Ages Conspiracy führten, sowie mit den historischen Studien des Autors und David P. Goldmans über die britische politische Ökonomie, die in dem Buch The Ugly Truth about Milton Friedman, ebenfalls aus dem Jahre 1980, dargelegt wurden. Die maßgebliche Arbeit über die im Drogenhandel verstrickten Familien Neu-Englands und ihre Verbindungen zu der Verschwörung Aaron Burrs findet sich in Anton Chaitkins Serie „Treason in America“ in der amerikanischen Zeitung New Solidarity. Diese Studie berücksichtigt ebenfalls die Forschungsarbeiten von mehr als einem Dutzend weiterer Personen, die an Fragen arbeiten, die sich mit dieser Themenstellung überschneiden. Die entscheidende Arbeit über die amerikanische Geschichte wurde von Forschungsteams unter Mitarbeit von Nancy Spannaus, Christopher White und Allen Salisbury geleistet; zu erwähnen sind auch Robert Zubrins Arbeiten über die Rassisten im Amerikanischen Museum für Naturgeschichte.

Die Studien über die griechische Klassik fanden unter Leitung von Criton Zoakos und Dr. Uwe Parpart statt; auf Zoakos geht auch ein Großteil der Arbeiten über Byzanz und Venedig zurück. Was die italienische Seite betrifft, beinhalten die Untersuchungen über Venedig und die Geschichte des europäischen schwarzen Adels Arbeiten aus Italien, der Bundesrepublik, Frankreich, den Vereinigten Staaten und anderen Staaten, die so umfangreich sind, dass sie hier nicht alle aufgeführt werden können. Die wirtschaftswissenschaftlichen Vorarbeiten gehen überwiegend auf den Autor selbst zurück, doch steht er in der Schuld von ca. zwei Dutzend anderen, die hierzu historische Forschungsarbeiten beisteuerten. Was die Physik betrifft, so ist im wesentlichen die Fusion Energy Foundation in den USA, Europa und Ibero-Amerika als Urheber zu nennen. Die Arbeiten über die Ideengeschichte der Naturwissenschaft als solche gehen auf Teams unter Leitung von Dr. Parpart und dem begabten Mathematiker Dr. Jonathan Tennenbaum zurück. Die Kenntnisse über die Goldene Renaissance und die deutsche Klassik verdankt der Autor direkt seiner Frau und Mitstreiterin Helga Zepp-LaRouche sowie zahlreichen anderen Personen, die in diesen Forschungsbereichen eng mit ihr zusammenarbeiten.

Insgesamt haben mehrere hundert Personen Forschungsbeiträge geleistet, die sich direkt oder indirekt in diesem Buche widerspiegeln. Diejenigen, die nicht genannt wurden, werden feststellen, dass auch ihre Beiträge implizite Anerkennung gefunden haben.

Lyndon Hermyle LaRouche jr.

Wiesbaden, Juni 1983