China ist heute Zentrum der Pflege westlicher klassischer Musik

Neuerscheinung

David Stern, der Sohn des weltbekannten Geigers Isaac Stern, ist heute u.a. künstlerischer Berater und Dirigent des Shanghai Baroque Festival, und er machte kürzlich interessante Beobachtungen über klassische Musik im Westen und in China. In einem Interview mit der Zeitschrift Violinist erinnerte er an die historische Reise seines Vaters nach China 1979, wo dieser Meisterklassen für junge Geiger gab (festgehalten in dem Film Von Mao zu Mozart):

„Seitdem ist soviel passiert. Die vielen Musiker, die in China spielen, die vielen Orchester, die dort existieren, die Konzertsäle, die gebaut werden, die Festivals, die überall in China gegründet werden… Heute laufen in China Projekte und Investitionen, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Und es geht nicht nur ums Geld. Jawohl, es wird ein Vermögen in die klassische Musik gesteckt, aber es muß eine bewußte Entscheidung geben, ein Vermögen in klassische Musik zu stecken.

Wir finden uns heute hinsichtlich der Weltgemeinschaft und -zivilisation in der ganz seltsamen Situation wieder, daß wir in Paris die Notwendigkeit der klassischen Musik rechtfertigen müssen, aber wenn man in eine Kleinstadt in China kommt, bauen sie dort Konzerthallen, die einigen der größten Konzertsälen der Welt entsprechen.“ Das Geld dafür kommt vom Staat.

Die Konzerte seien immer ausverkauft und das Publikum „ist zwischen 20 und 40 Jahre alt“.

Stern fährt fort: „Bald wird das Paradigma nicht mehr sein, daß Asiaten zum Studium in den Westen fahren, sondern es wird bald für Leute in New York Stipendien für ein Studium in China geben. Was für eine Veränderung das ist? Eine gewaltige!“

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